"Blau mag ich halt nicht"

Die Kunsthalle Krems zeigt die vergessene Martha Jungwirth. Ihre impulsiv-gelassene Malerei gehört zu den Entdeckungen des Jahres


Begegnung: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014


Foto: Elfie Semotan / Kunsthalle Krems

Foto: Elfie Semotan / Kunsthalle Krems

Jahrelang war es still im Wiedener Atelier der Malerin Martha Jungwirth. Im Vorfeld ihrer Retrospektive in der Kunsthalle Krems kam plötzlich Hektik in den Alltag der 74-jährigen Künstlerin, die darauf mäßig begeistert reagiert. Besonders nervt Jungwirth die Frage aller Fragen, was sich der Künstler beim Malen von diesem oder jenem Bild denn gedacht habe. „Na was schon – gar nichts!“

Jungwirth ist keine, die um den heißen Brei herumredet. Ihr herzhaftes Lachen, mit dem sie ihre knappen Antworten abfedert, geht bei der Niederschrift des Gesprächs leider verloren. Die unvermittelte Art der Künstlerin rührt wohl auch daher, dass sie dem Kunstbetrieb, in dem das Bühnentalent zählt, lange fernblieb. „Selbstdarstellung? Das bin ich einfach nicht“, blockt Jungwirth ab.

Der etwa 60 Quadratmeter große Arbeitsraum liegt im Erdgeschoß eines modernen Wohnblocks, durch die Milchglasscheiben fällt mattes Tageslicht. Der Besucher weiß zunächst nicht, wo die Bilder anfangen und wo sie aufhören.

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