IT-Kolumne

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Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Offensichtlich haben viele von uns für gar nix mehr Zeit - oder bilden sich das zumindest ein. Der beste Beleg dafür ist das Chat-Akronym tl;dr. Das steht für "too long; didn't read". Man sagt damit: Ein Text war zu lang, deswegen hat man ihn gar nicht gelesen.

Jetzt könnte man kulturpessimistisch behaupten, diese tl;dr-Attitüde sei ein Ausdruck großer Ignoranz. Aber das glaube ich gar nicht: Das Kürzel tl;dr ist die natürliche Abwehrreaktion des Menschen auf die Informationsflut. Wir können einfach nicht mehr alle Texte lesen, die uns angeboten werden. Manchmal reicht die Kurzversion. Deswegen mag ich die Seite tldrwikipedia.tumblr.com sehr. Die liefert ironische Kurzfassungen von Wikipedia-Einträgen. Handys werden etwa als elektronisches Gerät definiert, "mit dem man misst, wie fettig das Gesicht eines Menschen ist". Diese Seite mit ihren skurrilen Neudefinitionen zeigt: Manchmal ist die Kurzversion sogar besser.


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