Enthusiasmuskolumne

Soap&Skins magische Vollmondnacht

Diesmal: Die beste Schmerztherapie der Welt der Woche

Feuilleton | Barbara Fuchs | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Triumphal. Nur so kann man die Bühnenrückkehr von Anja Plaschg alias Soap&Skin nach karenzbedingter Pause bezeichnen. Die österreichische Musikerin fesselt das Publikum des "Harvest of Art"-Festivals in Wiesen am Freitagabend vom ersten Ton an.

Vergessen ist der Starkregen, der die Temperaturen auf unangenehm herbstliches Niveau drückte, vergessen, dass nur wenige den Weg ins Burgenland gefunden haben, vergessen auch, dass Soap&Skin gar nicht Headliner dieses Festivals ist. Nach wenigen Konzertminuten senkt sich eine fast unheimliche Stille über das Areal. Auch das leise Gemurmel der Zuseher verebbt komplett.

Am Klavier sitzend und nur von einem Scheinwerfer sowie ihrem Laptop angeleuchtet, entführt Soap&Skin in eine Welt voll Wahnsinn und Schmerz. Im Hintergrund webt ihr in komplettes Dunkel getauchtes Orchester einen fast unzumutbaren Klangteppich. Jeder Ton, jeder Bläserstoß tut weh und erzeugt doch alles andere als negative Gefühle; beim Tribut an ihren verstorbenen Vater ist die Intimität zeitweise unerträglich.

Die Stille der Nacht wird nur durch stürmischen Applaus zwischen den Liedern unterbrochen. Niemand kann sich der Magie dieses Augenblicks entziehen, auch Anja Plaschg selbst nicht, die dem Publikum mit einem "Ihr seid wunderbar" dankt. Zum Schluss hin tanzt sie unter dem zuckenden Scheinwerferlicht ganz vorne am Bühnenrand. Ganz für sich, so scheint es, aber auch für ein Publikum, das nach und nach wieder aus der Konzert-Trance erwacht.

Am Ende schreitet sie durch den Fotograben, um die Gesichter der Menschen zu sehen; einen jungen Mann in der ersten Reihe küsst sie. Verwirrt und entrückt entlässt uns Soap&Skin in eine Vollmondnacht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige