Menschen

Hui und Buh

Falters Zoo | Barbara Fuchs, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Bald hat Wien auch eine. Eine Hard-Rock-Café-Filiale nämlich, wo man zwischen Memorabilien der Musikindustrie und Merchandiseware amerikanische Burger verspeisen kann. Im einstigen Café Kammerspiele auf der Rotenturmstraße macht demnächste das Hard Rock Café Vienna auf, und bei der Presse-Vorab-Besichtigung mussten sich jüngere Kolleginnen Bandnamen wie Jethro Tull buchstabieren lassen. David Holle, Memorabiliendesigner des US-Unternehmens, war eigens aus Florida gekommen, um in Wien Rihannas Bikini oder Amy Winehousens Glitzerkleid unter Glasstürze zu verfrachten. Dass Mr. Holle Parov Stelar (Plattenspieler) als "Australian DJ" bezeichnete, war sicher nur ein Versehen. Glanzstück des 143. Rock-Cafés weltweit ist womöglich eine im Bund enger genähte Lederhose. Die gehörte ursprünglich dem österreichischen Schlagersänger und "Töchter"-Verweigerer Andreas Gabalier. Ob General-Manager Jane Coles den Lederhosenmann demnächst persönlich begrüßen wird?

Persönlich wurde es übrigens beim FM4 Hip-Hop-Open in der Arena. Wo von Blumentopf über Nas bis Left Boy Hip-Hop-affi ne Künstler auf das entsprechende Publikum trafen. Left Boy Ferdinand Sarnitz verkürzte seinen Auftritt, nach heftigen Buhrufen. Oder, um es mit der Expertise und den Worten der FM4-Kollegin Nathalie Brunner zu sagen: "Die Gesten waren groß, zu groß, und es war nicht der richtige Ort dafür. Ein Hip-Hop-Publikum freut sich über Skills und nicht über Wobble-Bässe oder einen DJ, der schon bei der ersten Nummer mit nacktem Oberkörper spielt." Also wählte er den englischen Abgang: "What am I doing at Hip-Hop-Open?"

Schauplatzwechsel. "Harvest of Art" auf dem Festivalgelände Wiesen. Ebenfalls von der Bühne gebuht wurde dort an diesem Wochenende Tricky. Obwohl, versucht trifft es wohl eher, denn trotz entnervt aufgebendem Publikum und aufgedrehtem Scheinwerferlicht ließ sich der 90er-Trip-Hop-Hero nicht dazu bewegen, endlich die Bühne zu verlassen. Der bizarr-furchterregende Auftritt - Text und eigenen Namen vergessen; ein Lied lang miauen - kann allerdings auch als Warnung verstanden werden: Finger weg von Drogen! Als Kontrastprogramm gab es davor den umjubelten Auftritt von Soap&Skin Anja Plaschg - und Musik aus der Wüste der ewig-angenehmen Calexico.

Am Donaukanal freute man sich über den - dringend notwendigen - Relaunch des Fahrradfahrerinnenmagazins Drahtesel. Bis auf die Tatsache, dass man vielleicht auch den Magazintitel hätte überdenken können, muss man sagen: Neo-Chefredakteur (und Ex-Falter-Kollege) Matt hias Bernold und Art-Direktorin Anna Hazod (sie illustriert für uns regelmäßig Gartenthemen, siehe Seite 39) haben einen super Job gemacht. Endlich sieht Stadtradeln auch so aus, wie es Spaß macht. Die Herausgeber, Radler-Interessenvertreter von Argus unter Obmann Andrzej Felczak, können zu Recht stolz sein auf das Heft.

Und dann ging im Möbelmuseum noch die "Böse Dinge"-Ausstellung zu Ende - mit einer Versteigerung böser Designobjekte für den guten Zweck. Fast 3000 Euro übergab Co-Kurator Markus Laumann an Barbara Kumer vom Neunerhaus. Gar nicht Buh.


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