Zwölf Menschen auf 32 Quadratmetern

Die Polizei entdeckte ein Elendsquartier in Ottakring. Wer muss dort leben und warum? Ein Hausbesuch

Politik | Begegnung: Birgit Wittstock | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Bogdan Nedelcu hat Angst. Vor einigen Tagen wurde an seiner mühsam zusammengehaltenen Existenz gerüttelt, und er fürchtet, sie könnte zerfallen, sich in Luft auflösen. So wie das schon einmal der Fall war. Damals, vor zwei Jahren, als seine Frau Valentina an Krebs starb. Nachdem er seinen gesamten Besitz in Spitalskosten und Medikamente, die nichts nutzten, gesteckt hatte, nahm man Nedelcu auch das kleine Haus, in dessen Garten er Erdäpfel, Fisolen, Paradeiser und Gurken zog. Damals, als er in seiner Heimat Rumänien plötzlich auf der Straße stand, habe sein Leben, wie er es gekannt hatte, geendet, sagt Nedelcu, beißt sich auf die Lippen und runzelt die Stirn. Ein zweites Mal wolle er nicht auf der Straße landen, dazu sei er mit seinen 64 Jahren zu alt.

Seit vergangene Woche in den österreichischen Medien von den Wiener Elendsquartieren berichtet wurde, in denen rumänische Bettler und Straßenzeitungsverkäufer wie Nedelcu zu Dutzenden zusammengedrängt auf engstem Raum leben


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