Brief aus Rio Vor-Ort-Bericht

Schmählieder und andere Unauffälligkeiten

Ulla Ebner direkt aus Rio über das Geschehen außerhalb der Stadien

Stadtleben | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

So, jetzt haben wir es überstanden. Die WM ist vorbei, Deutschland Weltmeister. Und so hatten die Brasilianer im Endeffekt doch noch etwas zu feiern. Nicht, weil sie die Deutschen so mögen, sondern weil die Argentinier verloren haben, sie sind nämlich nicht gerade die besten Freunde. Seit dem brasilianischen Desaster gegen Deutschland wurden die 100.000 argentinischen Fans in Rio nicht müde, diverse Schmählieder und Reime über die brasilianische Schmach zu texten. Beim Finale bekamen sie es retour. Nach dem Spiel haben sich in meiner U-Bahn eine Gruppe Brasilianer und eine Gruppe Argentinier gegenseitig lautstark ihre despektierlichen Ständchen vorgesungen. Hochinteressant wiederum das Verhalten der deutschen Fans, die ich am Finaltag in Rio gesehen habe: Reimen und Jubeln scheint ihnen weniger im Blut zu liegen. Sie gingen ganz ruhig und unauffällig mit ihren Deutschlandfahnen durch die Straßen. So, als ob sie das alles gar nichts anginge.


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