Film Neu im Kino

Nicht ohne meine Absätze: "Paris um jeden Preis"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Nachts im ländlichen Marokko, kein Wesen regt sich. Das Gartentor ist abgeschlossen, weshalb die junge Frau im stylishen Gewand - an den Füßen Pumps mit superhohen Absätzen - über die Mauer klettern muss. Sie schlüpft dazu aber nicht etwa aus ihren Schuhen heraus. Stattdessen stemmt sie die Absätze gegen die Steine und hängt wie ein trauriges Äffchen an ihren dünnen Ärmchen herab.

Es gibt kein vorstellbares Szenario, in dem eine Frau, selbst eine tollpatschige Fashionista, so handeln würde. Allein in finsterer Nacht muss sie niemandem ihren Style-in-jeder-Situation beweisen. Nicht einmal eine Millionärin würde ihre Schuhe mutwillig einer solchen Gefahr aussetzen, wenn sie Mode liebt, und auch eine schuhgewordene Folterwerkzeuge unbewusst Hassende würde andere Zerstörungsfantasien ausleben.

Sinnentleerte Szenen dieser Art sind es, die "Paris um jeden Preis" von Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Reem Kherici ruinieren. Grundsätzlich hätte die Culture-Clash-Komödie um die aus Marokko stammende Pariser Stylistin Maya, die aufgrund einer abgelaufenen Aufenthaltsgenehmigung in die Heimat abgeschoben wird, als gerade der große Karrieresprung winkt, nämlich einiges Potenzial. Jedenfalls abgesehen von der Plattheit, mit der die Geschichte erzählt wird.

Zugutezuhalten ist Khericis Regieerstling neben einer Handvoll witziger Passagen die gendergerechte Tatsache, dass weibliche wie männliche Charaktere gleichermaßen klischeehafte Figuren sind: Neben der tussigen Maya, der gutherzigen Großmutter, der besten Freundin und den fiesen Kolleginnen besitzen auch der gestrenge Designer-Boss, der schweigsame Vater, der neckische Bruder oder der glutäugige Wüstensohn keinen Tiefgang.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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