WM-Tagebuch Ballnotizen

Das neue deutsche Rezept: Rücksicht nehmen

Johann Skoceks Gedanken zum großen Ereignis

Stadtleben | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Man soll nicht undankbar sein. Die Deutschen haben nicht schlecht gespielt, Götzes Siegestor war ein Kunststück, das für manch bleierne Stunde entschädigte. Alle Solidarität mit Messi und seinem erratischen, gewitzten, überfallsartigen Spiel half nichts. So traf am Ende nur eine Hälfte der Prophezeiung ein: Holland konnte nicht Weltmeister werden. Die orangen Trickser scheiterten hauptsächlich an der Hybris ihres Trainers Louis van Gaal, der eine zu Turnierbeginn lebendige Truppe mit taktischen Konzepten erstickte. Im Gegensatz zu ihm hat Deutschlands Coach Jogi Löw seit der Euro 2008 seine Lektion gelernt. Das Semifinale der Euro 2012 (1:2 gegen Italien) ist ein Lehrbeispiel eines vercoachten Spiels. Löw ging auch die WM so an, stellte seine taktischen Flausen aber bald ab und half der Mannschaft, ihr Spiel aufzuziehen. Kanzlerin Merkel klatschte begeistert. Die Hegemonie eines antiinterventionistischen Deutschlands kündigt sich an.


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