Ins Mark

Macht er wirklich Schluss?

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Bemerkenswerte Töne für einen ÖVP-Politiker und Bauernbündler hat Agrarlandesrat Johann Seitinger angeschlagen. Weil 1800 Schweine in einem südsteirischen Stall nach dem Ausfall der Lüftung erstickt waren, versprach er: Keine Landesförderungen mehr für Großställe. Schluss auch mit Ausnahmegenehmigungen in der Raumordnung. Das könne er den Familienbetrieben nicht antun.

Es ist erfreulich, dass Seitinger nun den Schutzherrn von kleineren Bauern und Tieren geben will. Bekannt wären die Probleme um solche Großställe ja schon länger: Nitratbelastetes Grundwasser, Gestank und Lärm, meist zusammengepferchte Tiere - und passiert etwas, dann gleich Gröberes. Bisher haben ÖVP, Bauernbund und Landwirtschaftskammer sehr wohl die Mega-Mäster unterstützt, wie Seitinger zugibt. Und damit die traditionellen Bauern noch mehr unter Druck gebracht. Hinter den größten solcher Projekte stehen nämlich oft gar keine Landwirte mehr, sondern Tierärzte und andere Investoren. Wie glaubhaft berichtet wird, soll die Kammer sogar Druck auf kleinere und Biobauern ausüben, die sich gegen Riesenställe vor ihrer Tür wehren. Bezeichnend, dass von der Kammer in der Debatte noch kein Ton zu hören war.

Und Seitinger wird bald zeigen müssen, wie ernst es ihm ist. Wie hält es der Landesrat mit den zahlreichen geplanten Riesenställen für in Summe zehntausende Schweine und Hühner? Anrainer und Tierschützer laufen bereits Sturm. Und was wird aus dem Projekt für 40.000 Hühner, die der Schwiegersohn von Österreichs Ex-Kammerpräsident Gerhard Wlodkowski auf dessen Grundstück mästen will? Eine zähe Suppe, die der Landesrat jetzt auszulöffeln hat.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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