Kunst Kritik

Lange Leitung: Ein Hoch auf den Kabelsalat

Lexikon | NS | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Steht uns bald schon der "Tod des Kabels" ins Haus? Diese Befürchtung hegt zumindest der Künstler Jozef Cseres, dessen trashige Assemblage "The Death of the Cable" in der Gruppenschau "Connecting Sound Etc. Cable Works, Cable Sounds, Cables Everywhere" zu sehen ist. Höchste Zeit also, dem Kabel zu huldigen - zum Beispiel als Material oder als Motiv für Kunst.

Nach dem Motto "Kabel leiten und verleiten" führt Kurator Georg Weckwerth zu Klassikern wie Rudolf Schwarzkoglers 3. Aktion 1965, der dabei mit verbundenen Augen Kabelsalat auf dem Teller hatte. Ebenfalls via Foto ist die Performance "Das magische Auge" von Valie Export und Peter Weibel vertreten, die 1969 eine tönende Leinwand erfanden. Farbfotopionier William Eggleston machte die Aufnahme "The Red Ceiling" von einem verkabelten Plafond, die ein Plattencover von 1973 schmückt.

Eine der genialsten Arbeiten der Schau ist Leopold Kesslers Videoperformance "Diplom/Akademiekabel". Der junge Künstler unterwanderte 2004 die Trennung von öffentlich und privat, indem er ein 1,2 Kilometer langes Kabel von seinem Bildhaueratelier zu sich nach Hause oberirdisch verlegte und so drei Wochen lang das Uni-Stromnetz für die eigene Steckdose anzapfte. Hintersinniger Humor kennzeichnet auch die drei Arbeiten von Werner Reiterer, der aus seiner 270 Meter langen Kabelrolle "The Universal Measuring Tape" wichtige Evolutionsereignisse aus den letzten 50.000 Jahren markiert hat. Das slowenische Künstlerduo son:DA steuert zur abwechslungsreichen Schau ihre "computer mouse drawings" bei, und von dem 1968 geborenen Künstler Philipp Hennevogl stammen Linolschnitte, die Kabelgewirr verewigen. Sound bietet die große blaue Kabelskulptur "Cloud" von Christina Kubisch, die elektrische Felder hörbar macht.

freiraum Museumsquartier; bis 24.8.


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