Selbstversuch

Heinomol, das ist aber schon heftig

Doris Knecht kehrt zurück nach Oldtown

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Diesmal lernen wir: Nichts sagt "Liebes Kind, gleichzeitig Handyspielen und Skateboardfahren ist vielleicht keine Einser-Idee" so überzeugend wie ein Schlüsselbeinbruch. Ja, autschi. Aber: Bitte, es ist nicht unter meiner Aufsicht passiert! Sondern während die Nachkommen weit weg in Oldtown im Haus der Ahnen weilten, damit die Mutter ein paar Tage ungestört schreiben könne, worauf die Kinder von ebendiesen Ahnen wieder nach Hause verfrachtet worden wären. Wären. Hahaha, nix. Aber ich will nicht egozentrisch sein, das arme Mausi hatte einen großen Schmerz und musste eine Nacht im Krankenhaus verbringen. Während derer die Mutter im Zug überstürzt erneut in die Herkunftsheimat reiste, um anderntags das arme Mausi aus dem Spital abzuholen, welches nun den ganzen Tag Handy spielen muss, ein Schicksal, dem es sich tapfer und ergeben beugt. Die Mutter proseccte einen weiteren Nachmittag im Familienkreise, erduldete eine weiteren Nacht im stahlharten Kinderzimmerbett und, mit dem bandagierten und dem gesunden Kind vis-à-vis, einen weiteren Tag im Zug. An Arbeit nicht zu denken. Zum Glück hatte man diverse Folgen "Game of Thrones" mit sich, worein man sich als etwa Letzte, aber nachhaltig eingefunden hat. Heinomol. Ganz schön heftig. Aber schon gut. Böse Frauen, wilde Männer, brutale Landschaften, passt.

Apropos brutale Landschaften: Das gebrochene Schlüsselbein bringt es auch mit sich, dass sich der Besuch von Lady Mutter und Sir Vater um eine Woche verzögert, was es einem erlaubt, die Sauberkeitspanikattacke vom Haus auf den Garten auszuweiten. Das ganze Beet voller Unkraut! Überall Brennnesseln! Überall Springkraut! Über allem diese pickigen Schlingpflanzen, die, so heißt es, alles ersticken, alles! Jetzt außer natürlich die Brennnesseln und das Springkraut. Aber sonst alles. Wenn man die nicht rechtzeitig ausreißt und im Drachenfeuer vernichtet, ist man mitverantwortlich, wenn schließlich ganz Niederösterreich unter Schlingpflanzen verdirbt. Das alles auszurotten kostet einen weiteren Arbeitstag. Und es ist gar nicht so, dass man sich zwingen muss: Man macht es einfach, man muss, es steckt in einem, und wenn es so weit ist, bricht es heraus wie der Sadismus aus King Joffrey, wie der Drache aus Daenarys Targaryen, der Wolf aus Lord Snow.

Es wird aber eh nichts nützen. Das Urteil wird, wie immer, drastisch sein und im immer gleichen Wortlaut: Dass du dir das antust! Also ich, wenn ich du wäre, ich würde das Beet ja auflassen.

Was einem sagen soll, dass man sich nicht länger gegen die Natur versündigen soll, weil sich die Natur sonst irgendwann rächt, mit dem Winter aller Winter oder mit einer Heuschreckenplage, die letztlich auch über Oldtown und das gesamte Ländle herfallen und dort die Beete von braven Leuten kahlfressen wird, die tüchtig und unermüdlich jeden Tag ihr Unkraut jäten, wie es sich gehört. Und wer ist schuld?

Tyrion Lannister, Mylady!

Nein.


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