Wenn das Dorf ins Dorf kommt

Die Theatertage Weißenbach bringen feines Off-Theater aufs Land - und wieder zurück

Lexikon | Hermann Götz | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Ursprünglich wurden die Theatertage Weißenbach im Rahmen der Festivalplattform theaterland steiermark vor allem als One-Way-Kulturtransfer ins Leben gerufen. Ziel war es, urbane Off-Theater-Highlights in einen eher hinteren Winkel der Steiermark zu tragen: ins obersteirische Weißenbach bei Haus im Ennstal. Das funktioniert nun seit Jahren prächtig, und so gibt's 2014 eine vertiefende Programmierung. Das Dorf rückt in den Fokus des Festivals und mit ihm der wechselseitige Austausch zwischen Stadt und Land.

Dieser manifestiert sich ganz besonders in der titelgebenden Produktion von Theater t'eig: "Das Dorf" ist hier eine Koproduktion mit dem Festival La Strada, das Anfang August in Graz beginnt. Unter der Beteiligung von Laien und Profis aus dem Ennstal wie aus Graz lässt Regisseur Thomas Sobotka Weißenbachs obersteirischen Ortskern für La Strada in der Murstadt auf die grüne Wiese transferieren, genau dorthin, wo nach dem Plan der Stadtplaner in Kürze ein neues Fertiggrätzl wachsen soll: ein Dorf in der Stadt. Eben. Zuerst wird das Stück aber natürlich bei den Theatertagen am Originalschauplatz uraufgeführt. Als Draufgabe zeigt t'eig in Weißenbach noch Martin Crimps Kammerspiel "Auf dem Land". Man beachte nicht nur den bestens passenden Titel, sondern noch mehr das geniale Bühnenbild (im Bild) von Markus Boxler.

Der Dichter, Schäfer und Senner Bodo Hell, der seine Sommer seit mehr als 30 Jahren mit harter Arbeit auf der Alm verbringt, ist Autor des Singspiels "feminin maskulin", das Regisseur Ernst M. Binder und seine exquisite Formation dramagraz bei den Theatertagen zur Voraufführung bringen.

Eine Art Stadttheater am Land ist das THEO aus Oberzeiring. Mit dem Erfolgsstück "Der Vorname" von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière dringt man bei diesem Weißenbach-Gastspiel noch tiefer in die Obersteiermark vor. Ja und Steinbauer und Dobrowsky sind als langjährige Pendler zwischen Stainach und Graz ebenfalls so etwas wie intersteirische Kulturbotschafter. Sie bringen dieses Mal "Gebrüllt vor Lachen" von Christopher Durang mit. Genug zu lachen gibt's auch bei den Eigenproduktionen des deutschen Theater Metronom ("Emmas Glück" und "Kaschtanka"), und das ohne Altersgrenzen. Und dann gibt es natürlich noch einen "Plan B". Der ist vom österreichischen Autor Uli Brée und wird durch die Theateroffensive Salzburg nach Weißenbach gebracht. Stimmt genau: Das alles schreit nach Stadtflucht.

Weißenbach bei Haus/Ennstal 18.7 bis 31.7.


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