Mediaforschung

Werbung zum Riechen: Wenn die U-Bahn plötzlich duftet

Verführungskolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 29/14 vom 16.07.2014

Der Geruch in U-Bahn-Stationen tief unter der Erde erinnert selten an ein frühlingshaftes Blumenbeet. Und spätestens im Sommer, wenn die Sonne salziges Wasser aus Menschenachseln kitzelt, wird U-Bahn-Fahren zum ... Erlebnis für die Nase.

U-Bahn und Parfüm, das passt so zusammen wie Autobahnstau und klassische Musik. Die Wiener Marketingfirma Ketchum Publico spielt mit diesem Geruchsklischee.

Im Mai wurde das italienische Deodorant Borotalco in Österreich eingeführt, mit einer großen Werbeaktion sollte es bekannt gemacht werden. "Da haben wir gedacht, wir könnten uns die U-Bahn-Station am Stephansplatz zunutze machen, weil diese ja nicht gerade für ihren guten Duft bekannt ist", sagt Sebastian Mayer, der die Kampagne als Junior Consultant mitentwickelt hat. Mit einer Installation wurde der Geruch des neuen Deos über die Lüftungsschächte verbreitet. "Die gesamte Station war in den Duft gehüllt. Man hat es sofort gerochen, wenn man reingekommen ist", sagt Mayer, "am stärksten natürlich an den Gleisen."

Wer nichts von der Aktion mitbekam, dem wurde mittels digitaler Werbeflächen nachgeholfen, die entlang der Rolltreppe flimmerten. "Einatmen.""Ausatmen.""Riechen ..." "Anders?""Woran das wohl liegen mag?" Einige Tage ließ die Agentur die U-Bahn-Fahrer rätseln, wer hinter der Aktion steckt. Schließlich wurden sie aufgeklärt, inklusive Gratis-Deo-Verteilaktion. Die Falter-Bitte an alle, die eins bekommen haben: Wenn die Sonne kommt, bitte anwenden!


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