TV-Kolumne

Zeit am Schirm

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Der kürzlich im Alter von 88 Jahren verstorbene Dietmar Schönherr verlor 1981 einen Job beim Schweizer Fernsehen, weil er den US-Präsidenten Ronald Reagan wegen seiner Nicaragua-Politik als "Arschloch" bezeichnet hatte. Reagan hatte in dem mittelamerikanischen Land Auftragskiller finanziert und dies als Freiheitskampf verkauft. Ein TV-Star, der an Sitzstreiks gegen Atomraketen teilnimmt und mit den Sandinisten sympathisiert - man stelle sich Mirjam Weichselbraun auf einer Demo gegen den Burschenschafterball vor. Schönherr verband Zivilcourage mit professionellem Interesse an dem relativ neuen Medium Fernsehen, ließ sich als professioneller Theaterschauspieler von keinen bildungsbürgerlichen Dünkeln beirren. Als er 1973 die erste Talkshow im deutschsprachigen Fernsehen moderierte, brachte er eine außergewöhnliche Eigenschaft mit: Er konnte zuhören. Man stelle sich vor, Markus Lanz wäre ein bisschen wie Schönherr.


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