Love me Gender!

Bevormundung oder Emanzipation? Im Kampf um das Binnen-I prallen linke Agitation und konservative Reaktion aufeinander. Wir erleben einen Kulturkampf


Essay: Matthias Dusini
Politik | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014


Foto: Wikipedia

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Peter Kampits versteht die Welt nicht mehr. Wenn er nach seiner Marlboro greift, muss er die Hand wieder sinken lassen. Rauchen verboten! Frauen würden ihm besser gefallen, wenn sie keinen Bart hätten, räsonierte er unlängst in einer ORF-Diskussion über Conchita Wurst, die heuer als unrasierte Dragqueen den Eurovision Song Contest gewann. Der Ethikprofessor der Universität Wien befindet sich mit seinen 72 Jahre in einem jugendlichen Dauererregungszustand. Erst der Aufstand der Paffkameraden, dann der Seitenhieb auf die Schwanzschwester – nun führt er einen Feldzug gegen das Binnen-I. Er ist einer von vielen.

Kampits gehört zu einer Gruppe von 800 Bürgerinnen (die Bürger sind mitgemeint), die einen offenen Brief an die Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und den Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) geschrieben haben. Darin kritisieren sie die „von oben her verordnete getrenntgeschlechtliche Formulierung“. Binnen-I und der Schrägstrich im Wortinneren, etwa Kolleg/-in, zerstörten die gewachsene Struktur der deutschen Sprache. Weg damit!

Kampits, der Jurist Heinz Mayer und der Museumsdirektor Klaus Albrecht Schröder, um nur einige prominente Unterzeichner zu nennen, fordern die Rückkehr zur sprachlichen Normalität. Eine Minderheit von Aktivistinnen habe der schweigenden Mehrheit ein Diktat aufgezwungen. „Der Verständlichkeit von Texten muss wieder Vorrang vor dem Transport feministischer Anliegen eingeräumt werden“, fordern die Briefschreiber.

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