Tiere

Sommerreisen I

Peter Iwaniewicz besuchte eine alte Weißrüsselnasenbärdame und sechs Rote Nasenbären

Falters Zoo | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014


Sommerzeit ist Reisezeit. Das ist eine platte Weisheit. Und wie so oft liegt das Gute ganz nah. Was wiederum fast noch eine Erkenntnisstufe flacher ist. Aber. Trotzdem. Weil. Im Zuge des Baus der Eisbärenwelt im Tiergarten Schönbrunn haben auch die Nasenbären ein neues Gehege bekommen, das einen Besuch allemal wert ist. Ich verwende den Ausdruck im Zusammenhang mit Tieren nur sehr ungern, aber Nasenbären sind eindeutig „drolliger“ als die gehypten Erdmännchen oder die posenden Kattas. Wahrscheinlich braucht es erst einen animierten Hollywoodfilm in 3-D, um diesen Coatis – wie sie viel eleganter auf Portugiesisch, Spanisch, Französisch und Englisch heißen – die gebührende, anthropomorphisierende Anerkennung zu verschaffen.

Leider ist den meisten Menschen diese Kleinbärenart nur als halblustiges Schimpfwort bekannt, das dann auch noch meistens falsch eingesetzt wird. Aber selbst gekonnt Verunglimpfen will gelernt sein. Denn nicht die Größe des Riechorgans eines anderen Menschen ist entscheidend, ob man ihn sinnvollerweise einen Nasenbären nennen kann.

Eine vor allem bei älteren Männern vergrößerte und knollenartig wuchernde Nase nennt man besser Rhinophym. An der Entstehung dieser Knollen- oder Säufernase sind auch Tiere, nämlich Haarbalgmilben beteiligt, die Talgkanäle verstopfen und eine Nervenentzündung verursachen können.

Nein, ein Nasenbär ist ein sehr neugieriger Mensch, der sprichwörtlich seine Nase in all jene Angelegenheiten steckt, die ihn nichts angehen. Diese Neugierde zeichnet auch Coatis aus. Als Raubtiere sind sie stets auf der Suche nach Insekten und Würmern, die sie mit ihrer beweglichen Nase unter Baumrinden finden und mit den Fingern geschickt herauspulen (Anmerkung für Sprachpolizisten: Das entsprechende österreichische Verb „herauskletzeln“ verstehen nördlich lebende Falter-Lesende leider nicht). Dabei erinnern sie an ihre Nächstverwandten, die Waschbären, mit denen sie sich auch ziemlich den gleichen Lebensraum in der Neuen Welt teilen.

Beide Tierarten sind ausgezeichnete Problemlöser und es ist äußerst unterhaltsam, ihnen dabei zuzusehen, mit welcher Raffinesse sie an ihr Futter gelangen. Die neue Nasenbärenanlage, meine Empfehlung für eine kleine, feine Sommerreise.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige