Der Spaßpolitiker mit der coolen Schnauze

Martin Sonneborn ist der frechste deutsche Satiriker. Nun macht er Politik in Europa. Will er das?

Medien | Begegnung: Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014


Foto: Eventpress Hönsch/DPA/picturedesk.com

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Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt im Jahr 2011 fährt Martin Sonneborn mit einer Waffe zur Parteiversammlung der neonazistischen NPD, seine Waffe kann nicht töten, nein, sie ist ein präpariertes Mikrofon. An einem dünnen Draht ist ein schwarzes Rechteck daran festgemacht, er holt den NPD-Spitzenkandidaten vor die Kamera und befragt ihn zum „Ausländerproblem“. Als ihm Sonneborn das Mikro unter die Nase hält, da ist es bereits egal, was der ahnungslose Rechtsextreme antwortet, Sonneborn hat schon gewonnen. Denn das schwarze Rechteck am Mikro wackelt wie ein Hitlerbart über der Lippe des NPDlers, und jeder Zuschauer sieht: Hier spricht ein Nazi.

Sonneborn schont seine Interviewpartner nicht, heuer gewann er für seine freche Reportagereihe „Sonneborn rettet die Welt“ den Grimme-Preis, eine der renommiertesten Auszeichnungen im deutschen Fernsehjournalismus. Berühmt machten ihn seine Beiträge für die „Heute-Show“ des ZDF, eine satirische Nachrichtensendung, die schnell zum Aushängeschild des deutschen Fernsehens avancierte. Sonneborn war ihr heimlicher Star. Er brach dabei mit allen Konventionen, seine Satire tat weh. Um auf die Flüchtlinge aufmerksam zu machen, die im Mittelmeer ertranken, besuchte Sonneborn eine Yachtenmesse und fragte nach, ob die vielen Leichen nicht beim Urlaub auf der Yacht störten.


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