Herr Ober, bitte zahlen

Ein neues, feines Fotobüchlein mit Arbeiten des Wiener/Berliner Fotografen Peter Rigaud

Stadtleben | Rezension: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Herr Ober ist ein Schäferhund. Aber da kommt man natürlich erst drauf, wenn man das soeben erschienene, wunderschöne Fotobändchen von Fotograf Peter Rigaud mit ebendiesem irritierenden Titel vergeblich nach dem Bild eines Kaffeehauskellners durchsucht hat. Auf der letzten Seite schließlich der treuherzig blickende Deutsche Schäferhund vor einer Gardine auf dem Perserteppich sitzend; neben ihm ein Wandverbau, vollgeräumt mit Pokalen.

Peter Rigaud, Jahrgang 1968, zählt zu Österreichs profiliertesten Porträtund Architekturfotografen und hat mit seiner Arbeit heimische und internationale Medien geprägt. Regelmäßig erscheinen seine Arbeiten in Buchform und sind in Fotogalerien zu sehen. "Herr Ober" zeigt neben dem Hundebild vor allem Porträts der letzten Zeit; ein buntes Potpourri prominenter Zeitgenossen von der Performancekünstlerin Marina Abramovic über Udo Jürgens (natürlich im Bademantel), Filmemacher Quentin Tarantino bis zu Heino samt Gattin Hannelore oder Jungschauspieler Daniel Brühl. Dabei kommt das schmale Büchlein mit dem unscheinbar braunen Kartoneinband wunderbar uneitel daher. Keine "Ich habe den Star fotografiert"-Geschichten, keine Interviews - die finden sich dann in den Hochglanz-Illustrierten, für die Rigaud tätig ist.

So versammelt in einem Bilderbuch fällt einmal mehr auf: Rigaud inszeniert seine Protagonistinnen und Protagonisten zwar oft, meist tritt jedoch die Inszenierung in den Hintergrund. Wahrscheinlich geht die ehemalige Opernball-Chefin Lotte Tobisch nicht immer im Webpelzmantel zwischen ausgestopften Bären spazieren, der Fotograf hat sie dorthin gestellt. Und es passt. Dass der in Wien und Berlin lebende Fotograf allerdings Schlagersänger Hansi Hinterseer mit Rosenstrauß vor rosa Stofftapete angetroffen hat, wirkt ausgesprochen überzeugend. Gar nicht inszeniert.

Peter Rigaud: Herr Ober. Shotview Berlin, 48 S., Infos: shotview.com


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige