Buch der Stunde

Ein charmant Brummiger und seine Filmnovellen

Feuilleton | Michael Omasta | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Alfred Döblin, Jan Lustig, Walter Mehring, Alfred Polgar, Wilhelm Speyer: Von den fünf sogenannten 100-Dollar-Autoren, die 1941 in letzter Sekunde aus Europa herausund beim Hollywoodstudio MGM unterkamen, ist Speyer (1887-1952) wohl der am wenigsten bekannte.

Für ein wöchentliches Salär von 100 Dollar fanden die Genannten pro forma Beschäftigung in der Filmmetropole. "Wir wurden gute Nachbarn in schlechten Zeiten", erinnert sich Ludwig Marcuse des Kollegen im Exil. "Er war ein rarer Vogel im Gefilde der Literatur: unprätentiös, unvercliquet, keine Eitelkeit der kommunen Sorte, von nobler Zurückhaltung ... ein sehr charmanter Brummiger."

Speyer, dessen Romane wie "Charlott etwas verrückt" im Berlin der Weimarer Republik viel gelesen und auch verfilmt wurden, tat wirklich etwas für sein Geld. Davon zeugt der von Helga Karrenbrock und Walter Fähnders herausgegebene Band "Das faule Mädchen", das zehn Filmnovellen aus dem Nachlass des Autors enthält. Gedacht waren diese Skizzen und


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