Konventionslos, anarchisch: Leroy erschafft die Welt als Urchaos reiner Malerei

Lexikon | Ausstellungsbesuch: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Nach Maria Lassnig und vor Wolfgang Hollegha (der nächstes Jahr drankommt) steht der französische Maler Eugène Leroy in einer losen Reihe singulär-versponnener Einzelpositionen, denen die Neue Galerie dankenswerterweise eine Personale widmet. Die Ausstellung "Einfach Malen" verdankt sich einer Kooperation mit dem Musée des Beaux-Arts Eugène Leroy in Tourcoing bzw. dem Kurator und Freund des Künstlers Denys Zacharopoulos.

Dass für Leroy die flämischen und holländischen Meister alter Schule prägend waren, sieht man seinen Bildern nicht sofort an. Der im Norden Frankreichs 1910 geborene und 90 Jahre später ebendort verstorbene Außenseiter verkörpert aber ein recht klischeehaftes Bild des Künstlers, wonach dieser in weltabgewandter Stube an der Leinwand steht und also ganz frei vor sich hin pinselt. Im Falle Leroy entstanden dabei Bilder, die sich kunsthistorisch nur schwer einordnen lassen, weil sie sich weniger um Stile und Moden scheren und auch wenig über sie hinaus greifende Realitätsbezüge zeigen: Farbschicht liegt über Farbschicht, bis eine urzeitlich anmutende, krude Landschaft pastosen Farbauftrags zentimeterdick auf dem Malgrund lastet. Dabei bleiben die so verfolgten Themen denkbar klassisch.

Die Bildtitel verweisen auf Gegebenheiten (manchmal konkrete "Vorbilder"), die von Leroys Malerei aber nicht festgehalten, sondern gleichsam hinter sich gelassen werden. Nachvollziehen lassen sie sich vielleicht noch, wenn der Betrachter ein paar Schritte zurücktritt, Abstand hält von einer Malerei, die sich - kontemplativ, doch unbändig - selbst zelebriert.

Neue Galerie, bis 5.10.


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