Mediaforschung

Die Kopf absäbelnde Frau und etwas Gutes zu essen

Verführungskolumne

Medien | B. Narodoslawsky | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Vor tausenden Jahren soll sich laut Altem Testament Folgendes abgespielt haben: Holofernes, ein finsterer Geselle und von Beruf Feldherr, belagerte mit seiner Armee eine jüdische Stadt. Die Lage schien für die Bewohner aussichtslos, aber sie vertrauten auf Gott. Die schöne Städterin Judith fasste sich schließlich ein Herz, besuchte Holofernes, betörte ihn, und als der spitze Holofernes sich vor ihr in den Schlaf soff, langte Judith zum Schwert. "Und sie hieb zweimal in den Hals mit aller Macht und schnitt ihm den Kopf ab", so erzählt es die Heilige Schrift. Danach zogen die Bösewichte ab, und die Stadt war frei.

Was uns die Geschichte moralisch lehrt, erschließt sich dem Laien nicht sofort, aber das Thema "Frau säbelt Mann Kopf ab" inspirierte jedenfalls zahlreiche Künstler - von Michelangelo bis Caravaggio (siehe S. 9). Das Motiv wird Wienern nun öfter begegnen, denn das Kunsthistorische Museum (KHM) wirbt nun mit dem Gemälde "Judith mit dem Haupt des Holofernes" von Lukas Cranach.

Es ist eines der Sujets, die für die neue KHM-Kampagne "Ikonen und Icons" auserkoren wurden. Dabei werden Hauptwerke aus der KHM-Sammlung durch gängige Symbole ironisch gebrochen, die die Leistungen des KHM bewerben. Da sieht man Raffaels "Madonna im Grünen" mit Babys und einem Wickeltisch-Piktogramm. Oder Dürers Porträt vom edel gewandeten Kaiser Maximilian mit einem Garderobenzeichen. Auf dem Judith-Sujet prangt ein Restaurantsymbol. Als ob die gute Frau mit Schwert und Haupt nicht schon verrückt genug aussähe.


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