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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Auch Eugenio Scalfari ist nicht unfehlbar. Der Sekretär des Papstes warf dem 90-jährigen Starjournalisten aus Rom nämlich vor, ein Interview mit dem Chef nicht wahrheitsgemäß wiedergegeben zu haben.

Scalfari erklärte sich. Er verzichte bei Interviews auf ein Aufnahmegerät und mache sich auch keine Notizen. Er schreibe nachher einfach auf, was ihm in Erinnerung blieb. Journalisten sind gewöhnlich besorgt, dass die Batterien ihres Diktafons ausgehen könnten. Der große Alte hingegen verließ sich bei diesem Extratermin einzig auf sein Hirn. Scalfari weiß, dass die authentische Wiedergabe der Rede von Politikerinnen eine Fiktion ist. Ein Interview ist immer ein Text, den ein Journalist verfasst hat.

Und es ist typisch für diesen feinsinnigen Kollegen, dass er das für den Papstsekretär beschämende Argument nicht bemühte. Als Jesus von Nazareth seine umstrittenen Thesen (etwa: "Ich bin der Sohn Gottes") predigte, hatten die Evangelisten nämlich auch kein Diktiergerät dabei.


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