Vier Mal V

Das einst ungenutzteste Kinobuffet der Stadt wurde zum besten seiner Art

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Eigentlich war das Ganze ja ein bisschen ein Missverständnis. Lukas Bereuter und Mathias Kappaurer – zwei Bregenzerwälder, die zum Studieren nach Wien kamen und seit Anfang 2013 ein kleines Lokal namens Tonstube führen – interessierten sich nämlich eigentlich für die Künstlerhaus-Passage, als sie sich vor einem Jahr bei den Leuten vom Stadtkino vorstellten. Das gerade dabei war, ins Künstlerhaus zu übersiedeln.

Aber das sei dann alles sehr schnell gegangen, erzählt David Punzenberger, der dritte Bregenzerwälder, und nachdem Josef Kaufmann, der vierte Vorarlberger, Zimmermann ist und schon die Tonstube ausgestattet hatte, begann man gleich einmal, den Keller des Künstlerhauses zur Tischlerwerkstatt zu machen.

Seit September hat das Ludwig & Adele offen, und es wurde nicht nur wirklich schön – der extrem niedere Raum, die guten Bilder und das extrem schlichte Mobiliar aus Fichtenholz, MDF-Platten und Filz, das ein bisschen an die Einrichtung einer Carl-Orff-Musikschule aus den frühen 70ern erinnert, gehen da ganz wunderbar zusammen.

Es wurde auch ein richtig gutes Lokal. Wir erinnern uns mit Unbehagen daran, wie dieser großartige Vorraum des früheren Künstlerhauskinos über Jahrzehnte hinweg mit nachgerade vorsätzlich wirkender Ignoranz kulinarisch unterversorgt wurde. Toast, Bier, Sportgummi, mehr war da nicht. Und dieses Programm der permanenten Antigastronomie hatte beim Publikum durchaus Spuren hinterlassen, erzählt David Punzenberger: Anfangs hätten die Leute sehr konsequent nach Toast verlangt, sagt er.

Das ist aber vorbei, nicht zuletzt weil Küchenchef Ludwig Linser, ein Tiroler, der schon an ein paar wirklich tollen Orten gekocht hatte, echt wahnsinnig gut kochen kann. Salat vom Brustfleisch vom Rind mit Szechuanpfeffer und Pak Choi, zum Beispiel, erwies sich als das feinste Wok-Gericht seit langem, das Fleisch großartig mariniert und mit ein bisschen Maismehl knusprig gemacht, das Gemüse exakt befeuert, sehr gut (€ 10,50). Oder Couscous mit Grillgemüse und Joghurt – klingt völlig unspektakulär, ist dank Knoblauch, reichlich Olivenöl und orientalischen Gewürzen dann aber so unglaublich köstlich und befriedigend (€ 9,80).

Oder die Rinderbackerln mit Selleriepüree, Balsamico-Schalotten und Röstzwiebeln – erstklassig gekocht bis ins kleinste Detail, das Püree super, die Schalotten köstlich und die Backerln extrem gut geschmort (€ 14,90), für derartige Qualität zahlt man derzeit locker zehn Euro mehr in Wien.

Der Schanigarten ist top und der Extra-Gastgarten, den die Vorarlberger da in eine Gebäudenische platzierten, ist einer der besten Orte dieses Sommers. Seltsam, dass man es auf der anderen Seite des Künstlerhauses mit viel Aufwand und Geld nicht und nicht schafft, und hier gelingt’s so gut.

Resümee:

Vier Vorarlberger machen am Karlsplatz ein Kinobuffet, und das wird dann auf einmal das beste und preiswerteste und interessanteste Essen der Umgebung.

Ludwig & Adele
1., Akademiestr. 13
Tel. 0681/81 91 61 01
tägl. 11.30–24
www.ludwigundadele.at


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