Kunst Kritik

Wenn Bilder sanft erröten: Pretty in Pink

Lexikon | NS | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

In der Galerie als Live-Performance Spaghetti zu kochen, um diese dann vor Ort einzeln zu fotografieren - darauf muss man erst einmal kommen. Die bei Emanuel Layr unter dem Titel "I Did Love You Once" ausgestellten Drucke von Lisa Holzer sind auf sympathische Weise versponnen und spielen mit Zitaten von Girlie-Kultur. So beziehen sich die in den Arbeiten verwendeten Pastelltöne und Werktitel wie "So gentle" oder "Love love this!" auf Nagellacke und -entferner von Chanel oder Dior.

Es geht Holzer um den Wechsel von Farbauftrag und -auflösung, was sich in den Pigmentdrucken durch monochrome Farbfelder oder Kreise und verschwommene Übergänge zu Weiß manifestiert. Ein rosa Bild kann hier auch wie ein schüchternes Mädchen erröten, was der Titel mit "blushing" verrät. In der Machart liebt die 1971 geborene Künstlerin viele Schichten und greift eigene ältere Arbeiten als Fotos wieder auf. Integriert werden auch winzige Mangafiguren aus japanischen Cafés, und Holzer klebt Fotos von Haaren - wohl als Analogie zu den Nudeln - auf das Glas und die weißen Rahmen der Arbeiten. Außerdem zieren die Bilder Farbtupfer, so als hätte sie jemand mit farbverschmierten Fingern aufgehoben.

Inhaltlich referiert die Ausstellung auf einen philosophischen Aufsatz des französischen Kollektivs Tiqqun von 1999, dessen "Rohmaterial zu einer Theorie des jungen Mädchens" die Unmöglichkeit von Freiheit und Liebe in der modernen Konsumgesellschaft darstellt. Dieser Konnex hebt die Arbeiten, die Holzer als "young young girls" bezeichnet, auf eine andere Ebene. Aber während den Text von Tiqqun eine jugendkulturpessimistische Note durchzieht, wirkt Holzers Schau bewusst fröhlich und zeigt auf eigenwillige Weise Handlungsfelder auf.

Galerie Emanuel Layr, bis 2.8.


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