Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Glacéau Vitaminwater

Man kann nicht davon ausgehen, dass Vitamine gesund sind

Stadtleben | MS | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Um in diesem Meer an Limonaden noch Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen, muss man sich schon etwas Besonderes einfallen lassen. Der Witz von Glacéau Vitaminwater ist der an Medizin erinnernde Look. In einem US-Rechtsstreit wurde sogar von den Anwälten behauptet, dass der Konsument nicht davon auszugehen habe, ein Vitamindrink sei gesund - der ursprüngliche Zuckeranteil lag bei 33 Gramm pro 500-ml-Flasche.

Diese bezaubernde Logik hat womöglich dazu geführt, dass nun zumindest in der für Europa bestimmten Rezeptur weniger Zucker zugesetzt, jedoch mit Süßungsmittel gearbeitet wird. Wir sind aber immer noch bei einem Zuckeranteil von 17 Prozent. "Power-C" - get going! -, ein Drink mit Dragonfruit, erzählt einem dabei Fantastisches. Es wirkt wie die Inversion des Kleingedruckten von Beipacktexten: Dem Bus davonlaufen statt hinterher, Reifenwechseln ohne Wagenheber. Morgenmuffel werden durch "Essential" - wake up on the bright side! - wieder in menschliche Wesen verwandelt. Am besten ist "Multi V". Dieser Text hält nämlich noch eine Erniedrigung für den Konsumenten bereit: "Dein Drucker kann kopieren, faxen und scannen. Und du? Hast Probleme, dir beim Telefonieren die Schuhe zuzubinden (...) wie ein kompletter Versager." Na toll, noch ein Getränk, das mehr draufhat als du. Und bei "XXX triple berry" wird man aufgefordert, zu recherchieren, was die Kepler'schen Gesetze sind. Es wird auch geschrieben, dass man das nicht tun müsse. Das Gleiche kann man von diesem Drink behaupten.


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