Film Neu im Kino

Lustiges Heiraten auf Französisch

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Gleich zu Beginn heißt es Schlag auf Schlag für den konservativen Claude Verneuil (Christian Clavier), der in aller Ruhe das Landleben in seinem Herrenhaus genießen möchte. Innerhalb weniger Jahre verliert er drei seiner vier wohlerzogenen Töchter an Schwiegersöhne, die ihm gar nicht zu Gesichte stehen: Der erste ein Araber, der zweite ein Jude und der dritte ein eingewanderter Chinese. Dass sie alle eigentlich Franzosen sind, die ihm später sogar die Marseillaise vorsingen werden, beruhigt Verneuil und seine katholische Ehefrau zunächst wenig - alles Ausländer, und die von ihnen über die Familie gebrachte Schande steigt von Mann zu Mann.

"Monsieur Claude und seine Töchter" ("Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu?") ist eine französische Komödie alten Stils, die Regisseur Philippe de Chauveron mit Tempo und Wortwitz inszeniert und dabei immer gerade so weit über den Tellerrand der Political Correctness schaut, dass ihm nie die Gefahr eines Absturzes droht.

Wenn die Schwiegersöhne also mit entsprechenden Schimpfwörtern und Schmähreden nicht nur das familiäre Weihnachtsfest gefährden, bleibt alles im harmlosen Bereich und Klischee, während man sich statt Christian Clavier ("Ich bin Republikaner und Gaullist wie mein Vater, aber mit Sicherheit kein Rassist!") auch gut Louis de Funès als grantelndes Oberhaupt vorstellen könnte.

Doch so, als würden sogar de Chauveron, der auch das Drehbuch geschrieben hat, die kleinen Gemeinheiten irgendwann ermüden, unternimmt "Monsieur Claude" mit der vierten Tochter in petto eine narrative Kehrtwendung, die auf die Bekehrung des widerspenstigen Alten hinausläuft. Und damit biegt dieser in Frankreich ziemlich erfolgreiche Film auch stromlinienförmig Richtung amerikanischer Mainstream-Comedy ab: Brav ist, wer seine Familie ehrt und sein Land liebt.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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