Enthusiasmuskolumne

Schwanvergleich auf der Alten Donau

Diesmal: die beste Elektrobootsfahrt der Welt der Woche

Feuilleton | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

So was macht man ja maximal im Urlaub, selten in der eigenen Stadt. Ein Elektroboot mieten nämlich. Nicht lässig treten, nicht sportlich rudern, nur den Hebel umlegen und lenken. Geht schon, Vollgas!

An der Alten Donau gibt es einige Bootsvermietungen. Aber niemand mietet. Zumindest nicht an lauen Sommerabenden. Dabei ist es auf der Alten Donau am schönsten, wenn sich die Massen aus den Strandbädern vertschüsst haben, die Hütten- und Stegbesitzer aus Angst vor Gelsen zuhause bleiben. Gelsen gibt es gar keine, nur ein Rudel junger Schwäne. Die stecken ihre Hälse neugierig in unsere Elektroboote und schauen, ob es da was zu essen gibt. Gibt es, weil immer jemand mit einem Picknickkorb dabei ist. Also werden die Elektromotoren ausgeschaltet, die Boote zusammengezurrt und die Vorräte fürs Wasserpicknick ausgepackt, Getränke, Butterbrote und Nudelsalat weitergereicht.

Über dem Florido-Tower geht dramatisch die Sonne unter und weil man ja nicht fürs Rumliegen bezahlt hat, werden die Anker gelichtet (okay, okay, so ein Elektroboot hat keinen Anker... ) und die Regatta beginnt. Gemächlich tuckern unsere drei Boote Richtung Donaustadt und wenn's noch langsamer vorangeht, liegt es daran, dass sich gemeine Wasserpflanzen in der Schiffsschraube verheddert haben. Man ist aber gerne Leichtmatrose und entfernt bäuchlings auf dem Heck liegend das Grünzeug - die Besatzung dankt.

Langsam wird's dunkel, die Perspektive auf die Stadt verändert sich, überraschend ruhig ist es auf dem Wasser. Bis 22 Uhr könne man die Boote zurückbringen, hat der Mann vom Bootsverleih gesagt. Ein bisschen später macht aber auch nichts. Als Krönung gibt's bei Birners Eisdiele noch ein Schlumpfeis und Wien war nie südlicher als jetzt.


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