Diktator und Anarcho

Alles tanzte nach seiner Pfeife: zum 100. Geburtstag des grandiosen Komikers Louis de Funès

Feuilleton | Ständchen: Gerhard Midding | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Der 18. Oktober 1973, an dem "Die Abenteuer des Rabbi Jacob" in Frankreich anlief, sollte zu einem schwarzen Tag für Georges Cravenne, den Presseagenten des Films werden: Seine Frau Danielle entführte eine Maschine der Air France. Sie hatte sich mit einer Pistole Kaliber 22 bewaffnet, um drei Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Zunächst sollte der Start des Films abgesagt werden, dann wollte sie nach Kairo geflogen werden, und schließlich verlangte sie einen Stopp des Straßenverkehrs in Frankreich für 24 Stunden. Bei einer Zwischenlandung in Marseille wurde sie von Polizisten erschossen, die sich als Wartungsarbeiter getarnt hatten.

Madame Cravenne hielt den von ihrem Mann betreuten Film für antipalästinensische Propaganda. Ihre Mission scheiterte auf ganzer Linie. Während auf den Golanhöhen der Jom-Kippur-Krieg tobte, eroberte das Louis-de-Funès-Vehikel die französischen Kinos und erreichte am Ende mehr als sieben Millionen Zuschauer. Es wurde als Plädoyer für Toleranz gefeiert.


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