Die Magie des Augenblicks: Im Raum von Igor Eskinja ruht sie auf weichem Teppich

Lexikon | Ausstellungsbesuch: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Für seine Ausstellung "Quixote" verpasst Igor Eškinja dem Museum der Wahrnehmung einen Wohlfühlteppichboden, allzu viel Behaglichkeit lässt dieser aber nicht aufkommen, durchbrechen das Setting doch alsbald leise Irritationen: Der Teppichboden bleibt nicht nur an bestimmten Stellen ausgespart und ist an anderen doppelbödig. Manchmal scheint er nach dem Schneiden umgeklappt, wobei hellblaue Rückseite und Ausschnitt einander nicht entsprechen, am Fuße eines Podests stellt er sich trotzig auf, als wäre hier die allererste Verlegearbeit eines von zu viel Baumarkt-Werbung verunsicherten Hobbyisten zu bewundern. Nähere Betrachtung lehrt, dass die Schnittmuster dem Grundriss des einstigen Tröpferlbads folgen oder Linien aufgreifen, welche seine Architektur bis heute bestimmen.

Wie das Hier und Jetzt mit seiner Vorgeschichte zusammenhängt, kann man wohl als das Hauptthema des Künstlers bezeichnen. Die Frage stellt sich auch angesichts der auf der oberen Ausstellungsebene gezeigten Fotoarbeiten, die eine nur perspektivisch fixierte Scheinwelt zeigen: Aufgrund perspektivischer Regeln wird dem Auge des Betrachters eine Wirklichkeit vermittelt, die nur von einem Punkt aus als eine gegenständliche lesbar ist. Dann zeigen sich Körper, die der Alltagslogik widersprechen, weil sie schweben, Wände und Böden durchdringen, und der Betrachter befindet sich "in einem Raum des Träumers und des Geträumten, inmitten eines Mythos, eines Geheimnisses", wie der für diese Schau als Kurator nach Graz zurückgekehrte Adam Budak formuliert. Fixiertheit macht die Illusion!

Museum der Wahrnehmung, bis 29.8.


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