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Schnitten

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 30/14 vom 23.07.2014

Was vor 30 Jahren noch ein kleines Pflänzchen war, ist jetzt ein stattlicher Baum mit vielen Ästen geworden." Also sprach Bundespräsident Heinz Fischer bei einem Empfang in der Hofburg, wo vergangene Woche das Festival Impulstanz eröffnet wurde. Und weil man sich "nicht nicht bewegen" kann, stellte Fischer auch gleich noch seine Beweglichkeit unter Beweis - der Mann muss auf die Bühne! Oder zumindest muss er ins Bundesministerium für Bewegungsangelegenheiten, eine Institution, die die chilenische Choreografin Amanda Pina mit dem Schweizer Künstler Daniel Zimmermann vorstellte. Aber, ach, das war wohl alles nur Performance. All jenen, denen der Hofburg-Empfang seltsam vorkam, sei empfohlen, sich doch einfach einmal einen Theaterabend bei Impulstanz zu geben. Danach ist nichts mehr seltsam.

Eigentlich handelt es sich bei Impulstanz ja - abgesehen von der Tatsache, dass "nebenher" 3000 Menschen Workshops besuchen - um ein etwas untypisches Sommertheaterfestival. Avignon hat Avignon, Mörbisch hat Mörbisch und wir haben Tanz. Und das Lustspielhaus. Die temporäre Theaterbude von Spielhaus-Intendant Adi Hirschal steht schon seit Wochen Am Hof und vergangene Woche hatte die Shakespeare-Adaption "Othello. Ein Schlechter in Hernals" (bei Shakespeare spielt's in Venedig) von Franzobel Premiere. Übrigens eine Komödie, und die Titelrolle spielt Ignaz Pluhar - weshalb dessen Großmutter Erika Pluhar auch da war. Da kommen Wurstfabrikanten vor und Desdemona als Veganerin (Sophie Aujesky), und das Publikum und die üblichen Verdächtigen der Wiener Gesellschaft schienen's zu mögen.

Manner-Schnitten scheinen ebenfalls äußerst beliebt zu sein. So beliebt, dass das - wie der lustige Herr Othello ebenfalls in Hernals beheimatete Unternehmen - jetzt 8500 rosa Packungen ins Wiener Rathaus brachte, um dort anlässlich des 85. Geburtstages von Schnittenspross Carl Manner eine Art "Domino Day" zu veranstalten und einen Eintrag in dieses seltsame Guinness-Buch der Rekorde zu bekommen (wer sonst käme auf die Idee, mit Waffeln Kettenreaktionen auszulösen? "Das ist eine Idee, die zuvor niemand hatte", sagte Manner-Marketing-Mann Ulf Schött l). Die gefallenen Schnitten wurden anschließend verteilt - unter den zahlreichen Freiwilligen und an SOS-Kinderdörfer. Was kommt als nächstes? Schnittenbingo? Schnitten-Beach-Volleyball? Schnittenwasserski?

Schnittenwasserski. So Sachen fallen normalerweise Hannah Neunteufel ein. Neunteufel gehört zu jenem Typ Geschäftsfrau, bei dem das Wörtchen "Powerfrau" naheliegt. Aber so was schreiben wir hier natürlich nicht. Auf Schnittenwasserski hat die Gründerin einer extravagenten Event-Catering-Agentur unseres Wissens kein Copyright. Außerdem hat Frau Neunteufel (klingt doch besser als "Powerfrau"!) momentan ganz andere Pläne. Vergangene Woche lud sie - gemeinsam mit ihrem Projektpartner Sammy Zayed ins liebe Servitenviertel zum "Spatenstich". Bis Anfang 2015 soll aus einem Biedermeier-Ensemble samt Ballsaal ein 700 Quadratmeter großes Hauptquartier samt Kreativhaus und Hofgarten entstehen. Wien kann schließlich nie genug Eventflächen haben. Wir bleiben gespannt.


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