Michaela Söll bei Artepari: heitere Stille, symbolistische Bilder

Lexikon | AUSSTELLUNGSBESUCH: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Nach längerer Pause gibt es von Michaela Söll wieder "Neue Malereien". Es sind ausschließlich weibliche Figuren, die sie in ihren bei Artepari gezeigten Acrylbildern auftreten lässt. Und wie sie das tun, wird man mit Verweis auf die vorherrschende Stereotypik einem "weiblichen Blick" in Rechnung stellen dürfen. Umrissen sind die Figuren stets kompakt, ausufernde Gesten oder gar Verrenkungen, wie sie das Klischee gern einer männlichen Sicht in die Schuhe, wenn nicht Hose schiebt, sind ihre Sache nicht. Stille herrscht, wenn sie vor Hintergründen posieren, die selbst zwar farbstark leuchten, sich aber doch -gleich den Figuren -auf essenzielle Angaben beschränken. Bei aller farblich angestimmten Nettigkeit scheinen die von Söll porträtierten Frauen und Mädchen zart bis verletzlich. Keckheit ist so gar nicht ihr Metier. Vielmehr scheinen sie in sich gekehrt, mit sich selbst und allenfalls den eigenen Wunden beschäftigt. Geschlossen in den Konturen, verschlossen im Wesen zeigt sich "Gabi", aber auch "Das Mädchen mit den schönen Haaren" oder "Das Mädchen mit dem Wolkenkleid"."Die Schattenfrau" versucht im Bildfeld Wurzeln zu schlagen, während ihr ein wohl eher sanftmütiges Ungeheuer aus dem Leib heraus wächst. "Die Jägerin" hockt barbusig auf Weiß, bei aller Kälte aber doch von einem dürren Ast und ein paar schüchternen Efeuranken umgeben. Sölls Figuren zeigen überhaupt ein gewisses Faible für Botanik. Auch deshalb kann man der Künstlerin wohl einen Hang zum Symbolismus unterstellen. Unterm Strich ist dieser jedenfalls ein heiterer und könnte schlechter zur Jahreszeit passen. F Artepari, bis 22.8.


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