Von der großen Sehnsucht

Ein bittersüßer Blick auf das scheinheilige Amerika der Eisenhower-Ära: Clint Eastwoods vielschichtiger Musikfilm "Jersey Boys"

KRITIK: MICHAEL PEKLER | Feuilleton | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Im Augenblick des größten Ruhms droht bereits der Untergang. Die vier jungen Männer, die in der legendären Ed Sullivan Show auftreten, haben bis dahin scheinbar alles richtig gemacht. Sie haben ihre Musik dem Geschmack der frühen Sixties angepasst und ihre wilden Jahre hinter sich gelassen. Nun stehen die vier Männer, die sich "The Four Seasons" nennen, für ein Millionenpublikum vor den Fernsehkameras und präsentieren ihre größten Hits.

Doch plötzlich dreht sich einer der adrett gekleideten Männer zur Seite und spricht in eine Kamera, die nicht zum Fernsehstudio gehört, sondern Tom Stern, dem langjährigen Kameramann von Clint Eastwood.

Alles hier diene bloß der Aufrechterhaltung des Scheins, erklärt er, während seine Kollegen im Hintergrund unbeeindruckt weiterspielen. Die Auflösung der Band habe bereits vor Jahren begonnen.

Der Fernsehauftritt einer der erfolgreichsten US-Gruppen der 1960er-Jahre wird somit zu einem Schlüsselmoment eines Kinofilms, denn schlagartig ändert

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