Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Schnell, schnell weg damit

Steiermark | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Nun erging also der endgültige Beschluss: Die NS-Mahntafeln zu "63 Jahre danach", ein Projekt des Landes Steiermark, werden entfernt. So wollen es (nur) die Stadt-ÖVP und -FPÖ. Die zehn Tafeln des Künstlers Jochen Gerz standen seit 2010 auf verschiedenen Grazer Plätzen.

Warum die wegmüssen? FP-Stadtrat Mario Eustacchio verschanzt sich hinter seinem Straßenamt: Es gehe überhaupt nicht um den Inhalt, sondern rein um formale Kriterien. Das Amt habe das Projekt schon mehrmals verlängert, aber nun stoße "die Möblierung des öffentlichen Raums an formale Grenzen", wie er dem Standard sagte. Die Tafeln würden etwa Zufahrten verstellen. Auf einmal. Und wo sie gerade einmal etwas größer als die üblichen städtischen Dreieckständer sind. Der Künstler beharrt außerdem darauf, es sei nie von einer Befristung die Rede gewesen. Bürgermeister Siegfried Nagl wiederum stellt sich hinter Eustacchio: Er mische sich nämlich nie in fremde Ressorts ein. Falsch: Unter Schwarz-Grün etwa bremste Nagl bei der Busspur zur Hirtenklostersiedlung die damalige Stadträtin beinhart aus.

Die Art, wie das Projekt abgedreht wurde, ließ deutlich Respekt vermissen. Gegenüber Gerz und den 5000 Menschen, die sich beteiligten. Vor allem aber gegenüber diesem Kapitel der Geschichte und dessen Opfern, die besondere Sensibilität erfordern. Das Aus für die Tafeln war mit dem Künstler nicht abgesprochen, keinerlei offi zieller Abschluss angedacht. Schon am Montag wurde mit dem Abbau begonnen, bis Monatsende muss alles weg sein. Sonst drohen dem zuständigen Joanneum Geldstrafen. Als ob es gälte, einen Missstand zu beseitigen oder etwas ganz Gefährliches. Aber vielleicht ist es das für manche ja. F


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