Mediaforschung Verführungskolumne

Der winzige Smart mit dem riesigen Werbeschmäh

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

In einem alten Werbefilm von Greenpeace wird ein Büroangestellter von seinen Kollegen gemobbt und lange rätselt man, warum alle so böse zu ihm sind. Am Feierabend steigt er schließlich in seinen SUV (Sport Utility Vehicle) und Greenpeace gibt mit folgender Frage die Antwort: "Der Spritfresser der Stadt -Was sagt dein Wagen über dich aus?"

Der SUV ist der egoistische Ungustl unter den Autos: weil zu groß und zu schwer, braucht er zu viel Asphalt und bläst zu viel CO2 in die Atmosphäre. Aber es ist nicht alles schlecht am SUV. Ein neuer Spot listet nun die Vorzüge des Stadtgeländewagens auf. Er stammt ausgerechnet vom Autohersteller Smart, der jene spritsparenden Vehikel erzeugt, die so lang sind, wie ein SUV breit ist. Smart wolle nun auch ins große Geschäft der großen Karren einsteigen, verrät die Werbung. Daher baue man das "big city car", eine Art Riesen-SUV.

Ein großes Auto kann man von überall sehen, man brauche den Parkplatz seines abgestellten Wagens nicht mehr so lange zu suchen, erklärt der Spot. Und ja, das Auto saufe viel Bezin -aber durch den enormen Windschatten, den der Riesen-Smart erzeuge, drossle er den Spritverbrauch vieler Autos, die hinter ihm herfahren. Und weil die Menschen immer größer werden, haben im Smart künftig locker 2,55-Meter-Lackeln Platz.

Für einen absurden Wagen gibt es nur absurde Argumente. "Große Stadtautos. Großer Schwachsinn", bringt es die Scherzwerbung von Smart zu guter Letzt auf den Punkt. Das echte neue Modell ist natürlich wieder klein.


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