Kunst Kritik

Raritäten: japanische Avantgarde am Wörthersee

Lexikon | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Es war im Jahre 1967, als mehrere Künstler aus Osaka für eine Ausstellung nach Klagenfurt reisten. Die Galerie Hildebrand stellte damals Vertreter der Gutai Group aus, die durch spektakuläre Performances und Malaktionen bekannt geworden waren. Die Schau der 1954 gegründeten Künstlergruppe war durch Kontakte mit Mailand zustande gekommen. Nun präsentiert die Wiener Galerie Konzett eine sehenswerte Auswahl von 15 Werken aus der damaligen Ausstellung -seinerzeit wurde nämlich keine einzige Arbeit verkauft.

Vor dem Hintergrund von Hiroshima und einer westlich orientierten japanischen Kunst verfasste Shiro Yoshihara 1956 das Manifest der Gutai Group, in dem er eine neue Sensibilität für das Material einforderte. Yoshihara selbst beschäftigte sich mit Zenkalligrafie und malte vor allem Kreise, wie auf einem orangen Bild von 1965. Von Shozo Shimamoto, dem Co-Gründer von Gutai, hat Konzett eine beeindruckend fragile Mischtechnik auf zerlöchertem Zeitungspapier von 1954 zu bieten. Shimamoto wurde durch Aktionen bekannt, bei denen er mit Farbe gefüllte Flaschen auf einen Stein auf einer großen Leinwand warf. Eine vergleichsweise reduzierte Schüttarbeit des Künstlers zeigt, dass Shimamoto auch weniger actionreich arbeitete. Die wohl legendärste Gutai-Aktion stammt von Saburo Murakami, der durch mit Papier bespannte Bilderrahmen sprang. Von ihm sind zwei Mischtechniken auf Papier von 1967 zu sehen. Kazuo Shiraga wurde für Action Paintings bekannt, die er an Seilen hängend mit den Füßen malte, und Masaya Sakamoto schuf Bildobjekte aus transparentem Latex, die an den Postminimalismus denken lassen. Auch etliche Künstlerinnen waren bei Gutai beteiligt, so etwa Iuko Nasaka, von der eine kreisförmige, objekthaft gestaltete Leinwandarbeit viel hermacht. NS Galerie Konzett, bis 20.9. (4.8. bis 25.8. Pause)


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