Am Apparat Telefonkolumne

Können die Germanisten kein Deutsch, Herr Grundböck?

Politik | INTERVIEW: R. EISENREICH | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Deutschkenntnisse auf Maturaniveau ("B2") muss nachweisen, wer österreichischer Staatsbürger werden will. Aber wie letzte Woche bekannt wurde, akzeptieren die Staatsbürgerschaftsbehörden weder die Matura noch ein Germanistikstudium als Nachweis für Sprachkenntnisse. Die zuständige Wiener Behörde MA 35 verweist den Falter ans Innenministerium. Dessen Sprecher Karl-Heinz Grundböck antwortet.

Herr Grundböck, wieso verlangen Sie sogar von Germanistik-Absolventen einen extra Deutschnachweis?

Die Vollziehung ist Sache der Länder. Das Innenministerium ist davon ausgegangen, dass eine Matura oder ein Germanistikstudium selbstverständlich für den Nachweis ausreicht.

Bei der MA 35 hat man uns wörtlich gesagt: "Wir vollziehen nur die Gesetze".

Im Gesetz steht: "Kenntnisse der deutschen Sprache zur selbständigen Sprachverwendung". Wir können nichts tun, als den Ländern unsere Rechtsansicht bekanntzugeben, nämlich dass eine Deutschmatura oder ein Germanistikstudium ausreichen. Wir werden das schriftlich klarstellen.

Gilt das nur für Germanistik oder für jedes Studium in deutscher Sprache?

Für jedes Studium, bei dem die Uni bestätigt, dass Deutsch auf B2-Niveau Voraussetzung ist.

Jeder Student muss sich also einzeln eine Bestätigung seiner Uni holen?

Eigentlich ja.

Werden die Menschen ,die wegen dieser Fehlinterpretation unnötige Deutschkurse oder -prüfungen machen mussten, Entschädigungen bekommen?

Das ist Sache der Länder.

Was passiert, wenn die Länder die Rechtsansicht des Ministeriums weiterhin ignorieren?

Wenn notwendig, gäbe es die Möglichkeit, rechtliche Änderungen vorzunehmen. Aber wir gehen davon aus, dass mit dem Schreiben auch für die Länder alles klar ist.


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