Film Neu im Kino

Meisterlich düster: "Feuerwerk am helllichten Tage"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Neunzehnhundertneunundneunzig, im Norden Chinas: In mehreren Fabriken werden Leichenteile gefunden. Kommissar Zhang Zili ermittelt, bis es zu einem furchtbaren Zwischenfall kommt. Fünf Jahre später erfährt Zhang, als Wachmann tätig und dem Alkohol verfallen, durch Ex-Kollegen, dass eine neue Mordserie mit seinem letzten Fall verknüpft zu sein scheint. Zhang ermittelt auf eigene Faust und heftet sich an die Fersen der jungen Wu Zhizhen, die alle Mordopfer kannte.

Diao Yinans kunstvoller Krimi "Feuerwerk am helllichten Tage", der heuer den Goldenen Bären gewann, glänzt mit einer meisterlichen Inszenierung von Atmosphären. Die Hauptfiguren -der zerrüttete Ex-Cop, der sich mit verzweifelter Besessenheit auf den Fall stürzt, und die gottesanbeterinnenhafte Fremde, gleichermaßen zerbrechlich-schön wie von einer Aura der Gefahr umgeben -umgibt eine trostlose, raue Welt. Yinan setzt auf Körperlichkeit und Farbe: die Leere der winterlichen Stadt in schmutzig-kaltem Weiß und klebrigem grünem, gelbem und rotem Neonlicht, die Enge winziger Läden mit ihren verschmierten Fensterscheiben. Brutale Morde, knirschende Schritte im Schnee, gebrochene, gewaltsame Leidenschaft. Anflüge von Irrsinn, ein wenig schwarzer Humor, Detailverliebtheit: wunderschön, wie -für die Handlung völlig unerheblich -ein Pferd am Gang steht.

All das webt Yinan zu einer verschlungenen, hochspannenden Geschichte, die jede Heimeligkeit im Keim erstickt und gerade damit den Schmerz der Hoffnung spürbar macht, der in den Figuren brennt. Bis zum Ende hält Yinan die Möglichkeit offen, dieser Hoffnung eine Berechtigung zu geben. Das Feuerwerk am helllichten Tage -ein armseliger Protest aus lautem Knallen und weißem Rauch - wird zum Sinnbild dieses Kinos der Düsternis.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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