Stadtrand Urbanismuskolumne

So Freund-und-Helfermäßig

Stadtleben | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Wenn Menschen in Gefahr sind, man sich unsicher fühlt, es brenzlich wird, dann sollte man die Polizei rufen. In Wien, so scheint es, wählen manche aber auch die "133", wenn sie das Marmeladenglas nicht aufbekommen. Oder die Waschmaschine einen Socken hat verschwinden lassen, so Freund-und-Helfer-mäßig.

Freunde im Gemeindebau haben Nachbarn, die grundsätzlich nicht anläuten, wenn's abends ein bisschen zu laut wird, und fragen, ob man die Musik vielleicht etwas leiser drehen kann. Stattdessen rufen sie die Polizei. Ein anderer hat unlängst einen Fleckerlteppich beim Fenster ausgebeutelt; Minuten später standen schulterzuckend zwei Streifenbeamte vor seiner Wohnungstür, die Nachbarn hätten sich beschwert. Andere holen die Polizei, weil sie frühmorgens im Stiegenhaus "verdächtige Geräusche" hören (verursacht vom Zeitungszusteller). Wo leben wir denn? Wer bezahlt denn solche Einsätze? Wann haben die Menschen aufgehört, miteinander zu reden? Können Sie bitte jetzt ganz leise umblättern? Sonst ruft womöglich noch jemand wegen Lärmbelästigung die Polizei. F


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