Tiere

Sommerreisen II

Meinung | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014


Zeichnung: Bernd Püribauer » zur Tier-Galerie

Sex sells! Diese Formel für Medienschlagzeilen gilt immer noch. Und hilft besonders dann, wenn man eine maue Meldung über einen russischen Satelliten mit wissenschaftlichen Geräten, Pilzen, Taufliegen und Echsen an Bord aufpimpen soll. „Russian space sex geckos struggle for survival“ betitelte die Daily Mail die Nachricht. Und sogar die seriöse Washington Post schrieb „Lizard sex satellite floating in space“. Die Wirklichkeit ist – wie so oft auch der Sex – weniger prickelnd.

Der vor einer Woche gestartete Raumflugkörper Foton-M transportiert unter anderem auch fünf Geckos. Forscher wollen bei diesen untersuchen, ob und wie erfolgreich sich diese in der Schwerelosigkeit fortpflanzen können. Aber Sex, hehe! Im Weltall, hehe! Klingt nach verschwitzten Teenagerfantasien. Oder nach verrückten Wissenschaftlern, die daran arbeiten, Astronauten auf langen Weltraumflügen mit Geckoeiern zu ernähren.

Die Liste von Tierarten, die bereits ins All geschossen wurden, ist lang: 1783 begannen die Gebrüder Montgolfier damit, ein Schaf, eine Ente und einen Hahn in ihrem Heißluftballon aufsteigen zu lassen. In den Jahrhunderten danach hoben Fliegen, Mäuse, Hamster, Meerschweinchen, Frösche, Goldfische, Quallen und Rhesusaffen in die unendlichen Weiten ab.

Seit bald 20 Jahren taucht im Internet die urbane Legende auf, die Nasa habe die weibliche und männliche Besatzung während der Spaceshuttle-Mission STS-75 an Bord der Raumstation MIR angewiesen, verschiedene Kopulationsstellungen auszuprobieren.

Offenbar beflügelt diese Vorstellung die Fantasien vieler Menschen, die dann Bücher darüber schreiben, wie Sex in der Schwerelosigkeit möglich wäre. Es gibt da doch einige Hemmnisse, abgesehen von einer wenig stimulierenden Atmosphäre und der geringeren Penisgröße (niedriger Blutdruck im All): Da der geringste Stoß sofort zu einer ungebremsten Gegenreaktion führt, müssten beide Partner festgeschnallt sein. Die US-Autorin Vanna Bonta hat für diese Zwecke auch schon einen Spacesuit entworfen, der mit vielen strategisch platzierten Klett- und Zippverschlüssen ausgerüstet ist.

Geckos brauchen diesen Firlefanz nicht. Denn sie haben uns gegenüber den Vorteil, dass sie an ihren Extremitäten Milliarden feinster Härchen tragen, mit denen sie sogar an Glasscheiben haften bleiben. Das Weltall, meine dieswöchige Reiseempfehlung!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige