Integration: Wie soll der Staat jenen Schülern helfen, die kaum Deutsch sprechen?

Politik | BERICHT: BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Sechzig Seiten dick, auf der Vorderseite lauter fröhliche Menschen: Am Montag legte der unabhängige Expertenrat für Integration gemeinsam mit Minister Sebastian Kurz den Integrationsbericht 2014 vor. Es geht darin u.a. um ein zentrales Bildungsthema: Wie sollen Kinder, die kein oder kaum Deutsch sprechen, ihren Startnachteil aufholen? Schließlich entscheidet die Sprachkompetenz auch über den Erfolg ihres weiteren Lebens. Die aktuellen Zahlen des Ministeriums sind alarmierend: Jeder achte nichtdeutschsprachige Hauptschüler, der im Schuljahr 2011/12 die achte Schulstufe absolviert hatte, verließ die Schule ohne Pflichtschulabschluss. Bei deutschsprachigen Schülern ist es jeder 25.

Integrationsminister Kurz will das Problem mit eigenen Vorbereitungsklassen lösen. Jene Kinder, die zu schlecht Deutsch sprechen, sollen erst die Sprache lernen und erst danach in den Regelunterricht einsteigen können. Er folgt damit dem Vorschlag des Expertenrats. "Wenn ich die Sprache nicht beherrsche, kann ich gar nichts machen", sagt Ilan Knapp, der im Expertenrat das Handlungsfeld Sprache und Bildung leitet.

Kritik kommt vom Sprecher der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch, Alexander Pollak: "Wir sehen in diesen Vorbereitungsklassen eine Segregation." Und die sei für Integration kaum förderlich. Geht es nach SOS Mitmensch, dann sollten Kinder sich sprachlich verbessern, während sie Teil der regulären Klassengemeinschaft sind. Auch Caritas-Präsident Michael Landau warnt vor "Ausgrenzung in separate Klassen". Die Sprachförderung müsse zusätzlich und nicht anstelle des Regelunterrichts stattfinden.

Bei aller Kritik gibt es keinen Zweifel an der Wichtigkeit der Sprachförderung. Die Richtung scheint jedenfalls zu stimmen: In den beiden vergangenen Jahren investierte Österreich 35 Millionen Euro in die individuelle sprachliche Frühförderung im Kindergarten. Vier von fünf Kindern haben dadurch ihre Sprachkenntnisse nachweislich verbessert. F


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