Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Bitte aufhören mit den Berichten über die Fußball-WM. Genug mit den Reportagen aus Urwalddörfern, den Recherchen über die Rauchgewohnheiten von Jogi Löw und die Haarfarbe der Spielerfrauen. Nur ein einziges Mal noch soll das vergangene Großereignis geplündert werden: um ein sprachliches Bild für eine Kolumne zu finden. Der Berliner Tatort "Machtlos" war wie ein WM-Achtelfinale: zäh, ambitionslos, ohne Zug auf das gegnerische Tor. Es ging um den Fall eines entführten Kindes, bei dem der Entführer sympathischer war als das Opfer. Die Schauspieler folgten der Regieansweisung: Spielt langsamer als im wirklichen Leben. Sprecht behäbig, als hättet ihr sedierende Psychopharmaka geschluckt! Die Kommissare Till Ritter und Felix Stark folterten den Verbrecher mit ihrer Betroffenheit. "Sie werden doch einen Jungen nicht ertrinken lassen, Sie doch nicht." Damit ist der "Tatort" für mich endgültig aus dem Sonntagabendprogrammwettbewerb geflogen. F


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