Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Der letzte Satz

Meinung | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Diese Kolumne hat neuerdings ein Zeitproblem. Nicht nur kam der Chronist mit der Reihenfolge durcheinander und zog die Ausgabe 31 vor, sodass Sie nun jene Kolumne lesen, die in Ausgabe 30 hätte erscheinen sollen. Der schuldige Chronist lud noch mehr Schuld auf sich, denn er sieht sich gezwungen, auf Ausgabe 29 zurückzugreifen, um ein Vorkommnis zu dokumentieren, das er -aus welchen Motiven, überlässt er seinem Publikum zu beurteilen -in einen größeren Zusamenhang stellen wollte und darüber vollständig vergaß.

In einer Kolumne, die schon länger als ein Jahrzehnt den Titel "Seinesgleichen geschieht" trug, setzte er sich mit Sommerereignissen auseinander und schrieb im vorletzten Absatz in einer unvermuteten Wendung: "Apropos Wärme. Immer wenn die Sonne brennt, wachsen mir merkwürdige Einfälle zu. Diemal ein Versuch in angewandtem Catonismus. Sie erinnern sich, dieser unerbittliche Römer, dessen Namen sich Hans Dichand als Pseudonym gewählt hat, pflegte seine Senatsreden, gleich welchem Thema sie gewidmet waren, mit dem Satz zu beenden: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam (im Übrigen glaube ich, Karthago muss zerstört werden).

Auf absehbare Zeit (und wer die österreichische Medienpolitik kennt, müsste schreiben, auf unabsehbare Zeit) werden sie an dieser Stelle also den Satz lesen: Im Übrigen glaube ich, die Mediaprint muss zerschlagen werden."

Hans Dichand, der übermächtige Herausgeber der Kronen Zeitung, ist vor vier Jahren gestorben. Der Satz war in der Zwischenzeit abgewandelt worden, um auch den Zusammenschluss der Trend-Profil-Gruppe mit der News-Gruppe zu berücksichtigen, durch den die Mediaprint, das Zeitungsoligopol von Krone und Kurier, mit dem Magazinoligopol des News-Verlags verbunden wurde. Seit 20 Jahren steht er nun da, der Satz. Immer an der gleichen Stelle, am Ende der Kolumne "Seinesgleichen geschieht". Die Erben jener, gegen die er sich einst richtete, stimmen ihm aus vollem Herzen zu. Und sein Autor überlegt seit Jahren, wie er ihn loswird. AT


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