Kunst Kritik

Symbolträchtig: Wer will den Staub befragen?

Lexikon | aus FALTER 31/14 vom 30.07.2014

Ist es jetzt schon Zeit für das Weihnachtsangebot? Das könnte zumindest meinen, wer die winzigen Schneemänner in der Auslage der Galerie Mario Mauroner entdeckt. In seiner Schau "Against the Day" hat der Künstler Manfred Erjautz diese Marmorskulptürchen namens "Mini Me" neben kleinen Männchen aus Bronze mit dem Titel "Soletti-Giacometti" platziert. Was wie eine Witzelei über Bildhauerei beginnt, erhält in der Ausstellung selbst doch einen gewichtigeren Dreh. Dort liegt gleich zu Beginn ein wuchtiger, schmiedeeiserner Luster am Boden, über dem drei Glaskugellampen hängen. Das Licht der Leuchten wechselt in Intervallen von kalt zu warm -was aber für den Betrachter nicht ersichtlich wird. Wenn sich der Staub im Laufe der Ausstellung über die Kugeln legt, treten langsam die jeweils auf einer Kugel eingravierten Wörter "Ask The Dust" in Erscheinung.

So wie hier die Staubschicht über den Dingen das Vergehen der Zeit symbolisiert, spielt der 1966 geborene Künstler in seiner Schau generell auf die Vergänglichkeit an. Eine Uhr hat Erjautz in einer Aluminiumbox an der Wand verborgen, sodass der Besucher die Zeit nur mehr als Ticken hört, aber nicht ablesen kann. Ähnlich funktioniert eine jener Faltblattuhren, wie sie oft auf Bahnhöfen hängen. Als Kunstwerk wurde sie ihrer Ziffern beraubt und wendet nur mehr leere Blätter. Auch die Schwerkraft hebt der Künstler auf, wenn er etwa einen Anker samt Kette wie einen Ballon schweben lässt. Eine aus Glas geblasene Weltkugel liegt dagegen eingedellt am Boden, wie eine Panne aus einer Werkstatt in Murano. Alles in allem ist die Dichte an aufgeladenen Bildern einfach zu hoch. In existenzialistischen Kitsch kippt die Schau mit der fellüberzogenen Schaufensterpuppe "Shelter", die kopfüber von der Decke hängt. NS Galerie Mauroner, bis 30.8. (4. bis 17.8. Pause)


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