Phettbergs Predigtdienst

Was ich in meinem Elend aufführe!

Falter & Meinung | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014

Als ich dann nach Koten und Messe beim ersten Hydranten ludln musste, rief Sir eze mich an und ordnete an: "Bitte um 1 Euro dieses billige geschnittene Mischbrot vom Zielpunkt & eine Portion Suppengrün nach der Messe mitzunehmen!"

Irgendwie muss ich mir danach das Handy falsch in die Hosentasche gesteckt haben, denn ich fand es nicht und nimmer mehr, ging dann vollkommen aufgelöst in die Brückengasse zum Zielpunkt und flehte alle Leute an, Sir eze anzurufen: "Mein Handy hab ich verloren!" Ich bin so voller Nervosität und Hysterie gewesen, dass es mir absolut nicht gelang, irgendjemandem zu dolmetschen, was mein Problem ist! Bis dann der Kassier vom Zielpunkt die Polizei rufen musste, er konnte nicht so gut Deutsch, und ich konnte nicht Türkisch und konnte mich überhaupt nicht verständlich machen. Ich wollte nur jemanden an der Kasse oder jemanden, der oder die an der Kasse wartete, halt bitten, Sir eze anzurufen und zu sagen, dass ich nicht mehr erreichbar bin, weil mein Handy verloren ist! Jetzt, wo ich das Sir eze ansagen darf, hab ich sogar Herzschmerzen, so aufgeregt bin ich. Niemand von den vielen Leuten an der Zielpunkt-Kasse oder der kassierenden Angestellten begriff, worum ich um Hilfe schrie. Die Verwaltung vom Zielpunkt wusste nur, sich darum die Polizei zu rufen. Nach ein paar Minuten erschienen zehn junge Polizeiburschen, um meiner Herr zu werden. Äußerst angenehm wollten mir all diese Polizisten helfen.

Als ich dann vors Haus kam, gelang es mir, eine Frau, die gerade ins Haus ging, zu bewegen, bei Türnummer 15, also bei mir an der Gegensprechanlage, anzuläuten. Als dann Sir eze herunterkam und Suppengrün und geschnittenes Mischbrot in Empfang nahm, rief Sir eze mit seinem Handy bei mir an, und was geschah? Wunder oh Wunder, in meinem Rollatorkorb läutete es laut hörbar! Sir eze ging sofort zum Zielpunkt und entschuldigte sich für mein Elend. Was ich in meinem Elend aufführe! Danach gingen wir gemeinsam zu mir herauf zum Abendessen: das, was übergeblieben ist, war vom allerbesten NAC-HI-Menü: heurige Erdäpfel mit Haut und Haaren und Fisolen in Dillsoße.

Jeder Tag ist für mich ein Riesenabenteuer. Bis heute hab ich dies alles überlebt. F

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