Abend eines feschen Fauns: Steinbauer & Dobrowsky spielen Artmann

Lexikon | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014

Das Salettl im Gastgarten des neuen Capperi am Murkai ist ein feiner Ort. Und ebenso fein ist es folglich, dass das kleine Gastgartenhäuschen mit der Anmutung einer Bühne nun auch kulturell belebt wird. Die Off-Theater-Profis Steinbauer & Dobrowsky sind hierfür eine ausgezeichnete Besetzung, die auch den auf dieser Seite schon einmal ironisch angesprochenen Sommertheater-Ritualen künstlerischen Charme entlockt.

Mit ihrer H.C.-Artmann-Collage "Der Artmann ist ein fescher Faun" betreten sie um diese Jahreszeit gemeinhin gemiedene Pfade und präsentieren einen kurzweiligen Abend rund um bekannte und weniger bekannte literarische Schnitzel aus der Feder des großen Schwarzmalers. Das kleinteilige Potpourri besticht durch die klug verzahnte Präsentation sehr unterschiedlicher Texte: Der Bogen spannt sich vom dadaistischen Mikrodrama "Erlaubent, Schas, sehr heiß bitte", in dem auch ein Dolferl seinen Auftritt hat, bis zu Artmanns Protestmanifest gegen die Wiedereinführung des Bundesheeres anno 1955. Und natürlich wird dazwischen immer wieder mal med ana schwoazzn dintn gekleckst. Dabei ist schnell klar, dass Dorothee Steinbauer und Wolfgang Dobrowsky keine klassische Artmann-Interpreten sind, das Derbe mag ihnen liegen, das Wienerische nicht so sehr. Umso mehr fühlen sie sich im Grusel-Trash des Dracula-Fans und H.P.-Lovecraft-Übersetzers zu Hause. Gastgarten-Theater als böse-makaberes Betthupferl. Ja, im eng bestuhlten Salettl kommt zuweilen richtig lauschige Stimmung auf. Und das ist -besonders wenn es rundherum regnet und rauscht -sehr schön.

Capperi, Graz, Di, Mi, 19.30 (bis 22.8.)


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