Grillstraße im Outer Space

Das Frequency Festival in St. Pölten ist Kurzurlaub mit Gleichgesinnten und Begleitmusik

Lexikon | FESTIVALVORSCHAU: SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014


Foto: Karin Wasner

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Für manche ist schon der Weg das Ziel. Während großer Musikfestivals kann man immer wieder beobachten, wie die meist jungen Festivalbesucher gut gelaunt ihrer Destination entgegenstreben. Nicht nur in Zügen sind da vermehrt Gruppen mit schwerem Gepäck, lustigen Sonnenbrillen und Hüten zu sehen. Manche bleiben gleich bei spontanen Partys auf Bahnhöfen hängen. Bei ein paar Bieren kann schon mal in Vergessenheit geraten, wo man den Rucksack eigentlich hintragen wollte.

Richtig: zum Frequency, korrekt FM4 Frequency Festival. Der größte heimische Kirtag zwischen Rock und Pop geht kommende Woche wieder mal im sogenannten Green Park St. Pölten, wohin es vor einigen Jahren von der charmanteren Location Salzburgring übersiedelt ist, über die Bühne. Natürlich sind es in Wahrheit ganz viele Bühnen. Von den beiden Hauptbühnen Green bzw. Space Stage über den UAF Floor mit DJs und einen weiteren Party Floor bis zur UK Weekender Stage wird von Mittwoch bis Samstag volles Programm gemacht. Insgesamt treten 120 Acts auf.

Das Programm funktioniert nach dem Motto „Anything goes“. So ist am Anreise- und Eröffnungstag am Mittwoch, an dem nur eine Stage bespielt wird, das auf Party ausgerichtete US-Weißbrot-Rapduo Macklemore & Ryan Lewis Headliner. Am Donnerstag beschließen auf der Space Stage nach den Pop-Punks Blink-182 (ja, die gibt’s noch bzw. wieder!) Josh Hommes Queens of the Stone Age den Konzertreigen, während auf der Green Stage HipHop-Superstar Snoop Dogg alias Snoop Lion (wie er sich bei seinem Reggae-Nebenprojekt nennt) sowie sein deutscher Widerpart Jan Delay zeigen, wie weit man den Begriff Rap dehnen kann.

Lustig poppig wird der Freitag. Da spielen auf der Space Stage erst der belgisch-ruandische Performer Stromae, der vor ein paar Jahren mit „Alors un danse“ einen Hit hatte und für Mainstream-Verhältnisse recht pfiffig ist, die älter, aber zum Glück nicht viel weiser gewordene englische R’n’B-Hip-Hop-Göre Lily Allen und zum Abschluss DJ-Star Skrillex. Angesagter Höhepunkt auf der Green Stage sind die Babyshambles um Pete Doherty. Wenn sie es denn auf die Bühne schaffen: Ihren Auftritt beim Szene Openair in Lustenau Anfang August haben sie kurzfristig abgesagt.

Zum Abschluss am Samstag hat, wer noch kann, die Qual der Wahl zwischen Abtanzen mit der Parov Stelar Band und pathetischem Weltschmerz mit Placebo. Problematischer könnte die Parallel-Programmierung am Freitagnachmittag werden, wenn die Hip-Hop-Sympathin Fiva und ihr Kollege Marteria gleichzeitig auftreten. Davon abgesehen sucht man heuer selbst im Nachmittagsprogramm, wo sonst oft lohnende Acts versteckt werden, nach Namen abseits von tausend Mal gehörten Bands wie Jimmy Eat World oder Biffy Clyro.

Auch auf der Weekender Stage soll es spätabends ziemlich lustig zugehen. An den Nachmittagen und frühen Abenden wird diese von weitgehend humorfreien Gitarrenbands bespielt. Zum Finale jedoch treten dort erstmals beim Frequency Kabarettisten und andere Spaßmacher vors Publikum. Verpflichtet wurden Maschek, Roland Düringer und Helge Schneider. Letzterer hat den Vorteil, sich in die Musik retten zu können, falls das Experiment „Witze vor ausgelassener Festival-Crowd“ nicht aufgehen sollte.

Wie in jedem Jahr wird das Frequency-Programm also auch heuer wieder breiter. Das betrifft nicht nur die Musik, die für viele Besucher aber bekanntlich ohnehin nur eine nette Begleiterscheinung ist: Wer aufs Frequency fährt, fährt zwar vielleicht auch, aber nicht in erster Linie hin, um sich konzentriert Konzerte seiner Lieblingsbands anzuhören; vielmehr geht es darum, das Hirn für 72 Stunden auf Pause zu schalten und mit Gleichgesinnten eine gute Zeit zu haben. Prost!

Weil die jungen Leute von heute verwöhnt sind, muss der Veranstalter immer wieder etwas Neues bieten. 2014 ist das etwa der Outer Space, ein Bereich am Rand der Mainstage. Dort finden Freunde des Bieres das Festival-Pub „Old Space Anchor“. Croissants, Milchkaffee und Crêpes offeriert das „Café de Paris“. Und nicht zuletzt wird es auch eine „Grillstraße“ geben, angekündigt sind „bestes Fleisch und regionale Zutaten“ sowie „g’schmackige Gemüse-Grill-Variationen“.

Ein Mehr an Gastro und Bequemlichkeit verlangt fast zwingend auch nach einem Mehr an Sanitäranlagen. Das Angebot an WCs und Duschen ist im Vergleich zum Vorjahr fast doppelt so groß.

VAZ St. Pölten, 13. bis 16.8.

Information: www.frequency.at


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