Enthusiasmuskolumne Diesmal: der bestgeplante Tagesausflug der Welt der Woche

Schiff, Kunst und Bier -das rat ich dir!

Feuilleton | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014

British Airways bietet derzeit buchstäblich Tagesausflüge nach London an: Man fliegt um 7.55 Uhr in Schwechat ab und ist um 20.15 Uhr wieder zurück. Wer kein Gepäck eincheckt, zahlt weniger und hat mehr Zeit, die Stadt zu checken.

Billiger, umweltfreundlicher und entspannter ist das Programm, das wir hier vorschlagen wollen. Darüber hinaus hat es den Vorteil, dass man nicht wochenlang im Voraus buchen muss, sondern relativ spontan nach der aktuellen Wetterlage entscheiden kann. Krems ist zwar nicht Knightsbridge oder Kensington, hat aber auch so einiges zu bieten. Im formidablen Gasthaus Jell reservieren wir einen Tisch für 12.15 Uhr, denn einerseits macht am Wochenende um zwei die Küche zu, und außerdem geht sich's mit dem 10.51-Uhr-Zug vom Franz-Josefs-Bahnhof ganz tulli aus.

Mit den Rehbock-Dirndlfleischtascherln, dem Selchzüngerl-Rollmops oder den Rote-Rüben-Krennudeln ist man chromatisch-morphologisch von

Martha Jungwirths farbstarken Bildern wie "Fruchtfleisch" oder "Fundraising" ohnedies nicht so weit entfernt; und die Kunsthalle Krems, wo die derzeit zu sehen sind, ist fußläufig

in 20 Minuten bequem zu erreichen. Und bis um 15.40 Uhr die MS Austria von der Anlegestelle, äh, ablegt, geht sich auch locker ein Kaffee aus.

Flussschifffahrt ist nicht nur rares deutsches Kompositum mit zwei Tripelkonsonaten, sondern der ideale Begleiter zu besinnlich-beharrlichem Bierkonsum. Zwei Stunden 45 schippert man sanft durch die wunderherrliche Wachau, hat hoffentlich einen Feldstecher (Reiherwatch!) und einen iPod (PeterLicht, "Sonnendeck") dabei und in Melk am Bahnhof keine Dodeln vor sich, die wiederholt am Fahrscheinautomaten versagen. Denn dann klappt es auch mit dem 18.40er nach Wien. Wahrscheinlich.


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