Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Der Udo-Jäger

Falter & Meinung | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014

Vor 20 Jahren kannte in Österreich noch jedermann Hans Pretterebner. Der rechte Journalist hatte den Demel-Besitzer, Künstler, bunten Hund und Freund mächtiger SPÖ-Politiker des Versicherungsbetrugs und des vierfachen Mordes überführt. Er hatte damit Minister gestürzt (Blecha, Gratz) und mit seinem Buch "Der Fall Lucona" einen Riesenbestseller geschafft. Mit dem Erlös der 300.000 Bücher kaufte er ein Schloss und gründete ein Magazin. Es hieß Top, und Martin Staudinger nahm es zum Anlass für ein Pretterebner-Porträt.

Sein Resümee: "Die Zeiten, in denen Pretterebner als gefährlich galt, sind vorbei. Pretterebner wollte nur mehr 'einen kleinen Beitrag leisten, die Strukturen der großen Koalition aufzubrechen'. Das ist ihm und anderen dann gelungen." Dem Porträt war ein Kasten mit wörtlichen Zitaten beigestellt.

Unter anderem sagte Pretterebner: "Ich bin zwar kein praktizierender Katholik, aber wenn ich einer wäre, könnte ich nur den Standpunkt des Bischofs Krenn vertreten, zum Teufel noch einmal (Krenn war der reaktionärste der vom polnischen Papst eingesetzten Bischöfe, Anm.). Natürlich hat er einen extremen Standpunkt, aber in Glaubensfragen kann es eben keine Kompromisse geben. Abgesehen davon halte ich ihn für sehr gescheit, intelligent, witzig, humorvoll und finde es viel angenehmer, fünf Stunden mit ihm zusammenzusitzen als fünf Stunden mit dem verbiesterten, humorlosen Pater Udo Fischer (einem Akteur des damals aktuellen Kirchenvolksbegehrens, Anm.), das sind sie doch alle, diese Linkskatholen, die nicht wissen, wofür sie eigentlich stehen. ( )

Udo Proksch -es hat keiner das Charisma und die Buntheit, die Udo neben seiner kriminellen Energie besaß -ist mir schon ans Herz gewachsen, in der Zeit, in der ich mich mit ihm beschäftigen musste. Ich sollte ihn jetzt eigentlich irgendwann einmal besuchen, gemeinsame Freunde sagen mir, es wäre an der Zeit, dass ich mich um ihn kümmere und dass ich etwas für ihn tue. Ich bin auch geneigt, etwas für ihn zu tun, weiß nur noch nicht, was." AT


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