Stadtrand Urbanismuskolumne

Nackte Tatsachen im Gemeindebau

Stadtleben | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014

Im Sommer rückt man in Wien unweigerlich noch ein Stückchen näher zusammen. Ob man will oder nicht. Schließlich kann man schlecht die heißesten Monate des Jahres bei geschlossenen Fenstern zubringen. Im großen Gemeindebau führt das zu ebenso unfreiwilligen wie tiefen Einblicken in das Leben der Nachbarn: Da ist etwa die dicke Dame auf Stiege vier, die bei Hitze gerne völlig textilbefreit durch die Wohnung läuft und auch keine Scheu hat, sich nackig auf dem Balkon zu präsentieren. Da ist der Nachbar von unterhalb, der seinen Anabolika-gestählten Körper gerne mit Gewichten quält und dessen lautes Stöhnen dann durch den ganzen Hof hallt. Und da ist jener von nebenan, der mit nacktem Oberkörper am Fenster hängt und so gerne hinausschimpft, wenn die Kinder spielen. Letzten Sonntag schallte um die Mittagszeit ein dumpfes Klopfen durch den Hof. "Heit is Sundog, Schluss mit der Klopferei!", schrie er. Da zeigte sich im zweiten Stock auf Stiege drei eine Frau am offenen Fenster. Sie hielt ein Schnitzel und einen Pracker in die Luft. "Und gusch!", rief sie hinüber. F


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