Film Neu im Kino

Kritische Genremischung: "Gott verhüte"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 32/14 vom 06.08.2014

Nachdem der junge Priester Fabian seine Stelle in einem kroatischen Inseldorf angetreten hat, stellt er fest, dass seine Gemeinde auszusterben droht: Weit und breit keine Schwangeren, die Begräbnisse häufen sich. Mit Kioskbesitzer Petar und Apotheker Marin wird ein Plan geschmiedet - Nadelstiche in Kondomen und Vitamine statt Antibabypillen zeigen alsbald Wirkung. Die kirchliche Einmischung erzeugt aufseiten der Bevölkerung jedoch mehr Chaos und Verzweiflung als glückliche Familien.

"Gott verhüte" von Vinko Brešan ist, auch wenn es zunächst so aussieht, keine harmlose Sommerkomödie. Irritationspotenzial birgt die Dominanz der Kriegsvergangenheit, zumal das Inseldorf-Setting märchenhaft reduziert angelegt ist. Mehr und mehr werden schräger und schwarzer Humor außerdem durch Ernsthaftigkeit ersetzt: "Gott verhüte" gehen sukzessive die Unschuldigen verloren, bis ein überraschend bitteres Ende folgt.

Der Schwenk, den der Film damit vollzieht, ist allerdings radikaler, als die Geschichte es verträgt: Brešans Unentschiedenheit zwischen Komödie, Satire und offener Anklage hinterlässt einen verstümmelten Eindruck.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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